2009 Frankreich / Straßburg / Schüleraustausch

 

Kenntnisse über französische Kultur

 

Schüleraustausch mit der Straßburger Partnerschule  vom 28. März bis zum 3. April 2009

 

Am Samstag, den 28. März war es endlich so weit: Wir fuhren nach Straßburg! Im Gepäck hatten wir ganz viel gute Laune, unerschütterlichen Optimismus („Die werden uns schon irgendwie verstehen…..denk ich mal…!“), riesige Verpflegungspakete („Wenn jemand Hunger bekommt: Ich hab’ zwei Dosen Leberwurst dabei!“) und auch ganz schön Bammel.

Die dreistündige Busfahrt verbrachten die meisten von uns, indem sie den verpassten Schlaf nachholten (Abfahrt war schon um 8.30 Uhr), Musik hörten, lasen, aßen („Wer weiß, wann wir das nächste Mal was zu essen bekommen?“) oder lautstark quengelten („Wann machen wir denn endlich eine kleine Rast?!/Ich will wieder zu meiner Mama!“). Als wir dann endlich ankamen, waren wir alle sehr aufgeregt, manche auch leicht panisch, bevor wir nun endlich  unsere „Corres“ persönlich kennen lernen konnten.

 

 

 

Wochenende: Aufenthalt in den Gastfamilien

 

Vor der Schule St. Clotilde wurden wir alle in Empfang genommen und mit den traditionellen „Bussi rechts, Bussi links, Bussi rechts“ begrüßt. Nachdem die Gastfamilien unsere Koffer in Empfang genommen hatten, fuhren einige schon nach Hause, während die meisten in die Stadt gingen, um Straßburg kennen zu lernen und bummeln zu gehen. Wir machten  zuerst die „Galeries Lafayette“ und „Printemps“ unsicher, um dann im McDo zu „dinieren“, wo uns der erste große Kulturschock traf: „Bei denen ist McDonalds ja viel teurer als bei uns!“. Danach kamen wir in einen Laden, der unsere Herzen höher schlagen ließ: eine riesige Ladenfläche voller Highheels in allen Variationen, Formen und Farben. Wir waren im Himmel! Doch unsere Euphorie bekam einen heftigen Dämpfer verpasst, als wir auf die Preise sahen. In Frankreich scheint nun mal alles ein bisschen teurer zu sein. Danach machten sich die meisten Mädels wieder auf den Heimweg, während einige noch ein wenig auf der „Place de la Republique“ herumsaßen, auf die Tram warteten und sich mit ihren Französinnen unterhielten (Oder es zumindest versuchten, da einige etwas schüchtern oder einfach nicht sehr kommunikativ waren…). Das Wochenende verbrachten wir in unseren Gastfamilien, mit denen einige auf die Eisbahn oder ins Schwimmbad gingen, die Orangerie besuchten oder auf dem „Affenberg“ kleine Äffchen mit Popkorn fütterten.

 

Montag: Besuch im Unterricht

 

Am Montagmorgen wurden wir in der Schule St. Clotilde vom Direktor höchstpersönlich empfangen und in die Regeln eingewiesen, die wir in Straßburg zu beachten hatten, da zur Zeit die Vorbereitungen für den NATO-Gipfel in vollem Gange waren und die ganze Stadt von Polizisten nur so wimmelte. („Bitte macht bei keinen Demos mit, beleidigt die Polizisten nicht, gafft sie nicht an und fotografiert sie auch nicht!“) Frau Jäkel machte auch sofort deutlich, dass sie keinen gesteigerten Wert darauf lege, uns irgendwo vom Kommissariat abzuholen. (Was sie auch, dank unserer extremen Disziplin und Selbstbeherrschung, nicht musste. Wir starrten die Polizisten nämlich nur sehr diskret an, auch wenn sie in ihren kugelsicheren Westen, mit ihren Schlagstöcken, Gewehren und blauen „Kappen“ sehr bizarr aussahen.)

Nach dieser Einweisung sahen wir uns im Festsaal der Schule einen Film an, der uns auf mehr oder minder spannende Art die Kultur des Elsass nahe bringen sollte, was bei den meisten von uns aufgrund der monotonen Stimme der Synchronsprecherin zu Heiterkeitsausbrüchen führte. Danach durften wir unsere „Corres“ in den Sportunterricht begleiten. Wir fuhren mit dem Bus in ein etwas altersschwaches Fitnessstudio, um dort „Musculation“ zu machen. Hier handelten sich einige „Frauen der Tat“ einen deftigen Muskelkater ein, während der Rest doch lieber zusah und sich über die Gewichtestämmversuche der anderen amüsierte.

 

Dienstag:  Ausflug nach Colmar

 

Am Dienstag besichtigten wir Colmar. Wir bekamen von Frau Jäkel eine fachmännische Stadtführung, in der wir umfassend über die Eigenheiten und Besonderheiten von Colmar aufgeklärt wurden. In Colmar gibt es ein Fachwerkhaus, das fast keine Fenster hat, da Fensterglas damals sehr teuer war und sich die Besitzer um die Fenstersteuer drücken wollten. Danach bummelten wir noch ein wenig durch die Stadt.

 

Mittwoch: Besichtigung des Europaparlaments

 

Am Mittwoch nahmen wir eine weitere Sehenswürdigkeit in Angriff: das Straßburger Münster. Den Teil der Führung im Freien musste Frau Jäkel sehr kurz halten, da es sehr kalt war und der Wind, der über den freien Platz pfiff, uns fast wegpustete. Endlich im Inneren der Kathedrale, waren wir alle sehr beeindruckt von den gigantischen, bunten Fenstern und dem vergitterten Loch im Boden, in das man Geld hinein werfen konnte (Eine war sogar so begeistert bei der Sache, dass sie  fast einen Fünfziger „geopfert“ hätte). Nach der Besichtigung des Münsters machten wir eine Tour mit dem verglasten Touristenboot auf der Ill, bei der wir über Kopfhörer Informationen über Straßburg und die Gebäude, an denen wir vorbeifuhren, erhielten. Einige ganz Schlaue entdeckten, dass man auf dem Schaltpult neben dem Sitz, an dem man die Sprache der Führung einstellen konnte, auch eine deutsche Version für Kinder hören konnte, und ließen sich dann unter unterdrücktem Kichern in bester „Sendung-mit-der-Maus-Manier“ erklären, wo bei einem Boot Steuerbord und Backbord ist („Das, liebe Kinder, ist wie bei dem Wort „basteln“… da steht nämlich das „BA“, für BAckbord“ links und das „ST“ für „STeuerbord“ rechts…“ ) Nach der Bootsfahrt machten wir erstmal eine Pause, die einige gut Trainierte, die noch immer Ausdauer besaßen, zum Shoppen nutzten, während die anderen auf der „Place de la Republique“ herumsaßen und sich furchtbar fürchteten, weil ihnen eine Demo entgegen kam („Frau Jäkel hat gesagt, dass wir schnell in ein Geschäft rennen sollen, wenn ’ne Demo kommt……aber HIER IS’ KEIN GESCHÄFT!!!...Werden wir jetzt verhaftet?“). Zu unserer großen Erleichterung war die Demo erstens friedlich und zweitens bog sie ab, bevor sie an uns vorbeikam. Danach machten wir uns auf, um das Europaparlament zu besichtigen. Im Europaparlament wurden wir zu einer Führung mit einer anderen Schulklasse eingeteilt, was im Verlauf der Besichtigung noch zu großer Erheiterung führen sollte. Zunächst wurden uns die Flaggen der im Parlament vertretenen Länder gezeigt, und wir konnten ein Modell bestaunen (… das einige Schüler der anderen Klasse für den Bundestag hielten). Danach ging es weiter, an dem roten Teppich vorbei, auf dem die Ehrengäste empfangen werden, in den Sitzungssaal der Grünen, wo uns ein Film gezeigt wurde. Am Ende der Führung kamen wir in den Plenarsaal des Parlaments, der uns durch seine gigantische Größe und seine tolle Akustik beeindruckte und  wo wir noch einmal letzte Fragen stellen durften. Danach sagten wir „Au revoir Europaparlament!“ und machten uns auf den Heimweg.

 

Donnerstag: Abreise

 

Am letzten Tag unseres Aufenthaltes machten wir uns auf den Weg, um eine kürzlich eröffnete Mediathek in Straßburg zu besuchen. Dort bewunderten wir unter anderem die knallbunten Sessel, die dort überall herumstanden, und die einen förmlich dazu ermunterten, sich hineinplumpsen zu lassen. Wir machten eine Führung, bei der wir das System der Mediathek erklärt bekamen, und uns wurden auch einige Bücher gezeigt, wie z.B. das Buch „Lady Punk“, das unsere französischsprachige Führung knuffigerweise „Laaady Pönk“ aussprach. Zurück in der Schule, erwartete uns eine böse Überraschung: Die Gepäckstücke, die wir am Morgen in einem Raum abgestellt hatten, der auch abgeschlossen wurde, waren alle in der Gegend verstreut, aufgerissen, und einige Sachen waren einfach „weg“! Manche vermisste Dinge fanden sich dann aber in den Koffern anderer wieder, wo man sie, anscheinend in Panik geraten, hineingesteckt hatte. Ein wirklich sehr unschöner Abschluss unserer Straßburgfahrt! Als die Gemüter sich wieder etwas beruhigt hatten und man eine Liste mit den verschwundenen Sachen erstellt hatte, verfrachteten wir unser Gepäck in den Bus und verabschiedeten uns traurig von unseren Austauschschülerinnen, die sich übrigens genauso über den Diebstahl aufgeregt hatten wie wir.

 

Alles in allem war es ein sehr lustiger, interessanter Aufenthalt, während dem wir sehr viel über die französische Kultur und die Franzosen im Allgemeinen gelernt haben und den wir jedem wärmstens empfehlen können. Uns hat’s Spaß gemacht!

Julia Bernhard 10a