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ASCHAFFENBURG. Eine kalte Regendusche
zehn Minuten vor dem offiziellen
Schluss um 22 Uhr: Etwas Besseres
hätte den Besuchern des Open-Air-
Konzerts im Hof der Maria-Ward-
Schule nicht passieren können. Denn
die T-Shirt-Show der A-Cappella-Band
John Beton & the five Holeblocks ging
in der Aula weiter, ohne Technik, mit
nur einem Mikrofon für die fünf kaspernden
Stimmwunder – und trotzdem
sagenhaft gut.
Aufgekratzt und glücklich waren am
Ende des gelungenen Fests nicht nur
die Organisatoren, die Lehrer Michael
Nötscher und Matthias Frank, von dem
die Idee stammte. Die Schülermitverantwortung
(SMV) und viele tüchtige
Helferinnen hatten zum Erfolg des
ersten Open-Air-Konzerts seit Jahren
an der Mädchenschule beigetragen.
Der Erlös ist für die Aschaffenburger
Kinderklinik bestimmt.
Gemischtes Publikum
Viele Eltern, Geschwister und Freunde
waren unter den mehreren Hundert
Gästen. Auch etliche neugierige
Schulexterne hatten vorbeigeschaut
und sich von der guten Laune anstecken
lassen. Mit dem Uralt-Klassiker »I
love Rock 'n' Roll«, »Zombie« von den
Cranberrys und »Westerland« von den
Ärzten gab die jüngere Schulband zu
Beginn die musikalische Richtung vor.
Die ältere Band mit ihren tollen Sängerinnen
rundete sie mit Souligem wie
»Hit the Road Jack« von Ray Charles
ab; eine gute Mischung fürs gut gemischte
Publikum. Gitarristin Maria
Wissel strahlte vor Freude: Großer
Auftritt außerhalb der Schulroutine,
»das ist mal was ganz Neues«.
Die Wunschgäste der SMV, Nicolas
Wissel (Gesang) und Johannes Kneisel
(Gitarre) alias Niki Neurosis, ließen
keinen Wunsch offen mit Coversongs
zum Träumen und Mitsingen. Was
hatten sie nicht alles drauf, von Justin
Biebers aktuellem »Baby« über »Angels
« von Robbie Williams bis zurück
zum Kultsong der Elterngeneration
»Sitting on the Dock«. Die jungen
Aschaffenburger Straßenmusiker haben
sich inzwischen auch überörtlich
einen Namen gemacht. Niki versuchte
sich, gegen seine sonstigen Gewohnheiten
– wie er sagte – auch als Entertainer.
Sympathiepunkte sammelte er
bei den Mädchen, als er den Ausgang
des aktuellen Topmodel-Kontests
kommentierte. Die süße Amelie hätte
den Sieg verdient, meinte er. »Die Jana
ist überhaupt nicht hübsch«.
Loslegen mit Pädagogik
Schulleiter Burkard Bauer fotografierte
derweil vom zweiten Stock aus
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das bunte Treiben, in das sich viele der
Lehrer gemischt hatten und es sichtlich
genossen. »Das ist doch ein toller
Hof für ein Open Air«, hatte sich der
Deutsch- und Geschichtslehrer Frank
beim Schlussgottesdienst unter freiem
Himmel am Ende des vergangenen
Schuljahrs vorgestellt.
Nun stand da eine Profibühne, und
die Vollprofis von John Beton, die sich
einen Superruf weit über ihre Heimatstadt
Aschaffenburg ersungen und
eralbert haben, legten los, zuerst mal
mit Pädagogik.
»Nie wieder Alkohol!«: Alle sangen
mit beim Refrain des Kater-Songs. Dabei
brauchte niemand einen solchen zu
befürchten am Freitagabend. Denn das
ausgeschenkte Bier war ohne Prozente,
ebenso die absolut leckeren Cocktails
in der Bar. Dann großer Auftritt
für »Paul Potenti« (Daniel »Flecko«
Fleckenstein) in weißer Latin-Lover-
Kleidung und schwarzer Lockenperücke.
Als Hintergrundbegleitung stellte
er die »Donka-Socken« aus Kasachstan
vor. »Die singen genauso schlecht,
wie sie aussehen.« Was nicht stimmte,
auch wenn sie eine Diskofox-Melodie
nach der anderen daherschmalzten.
Währenddessen flirtete der Schönling
in Weiß mit den Damen im Publikum.
Dass er sich zum Schluss an die
stellvertretende Schulleiterin Alexandra
Zengel heranmachte, konnte er
ja nicht ahnen. Die Verkleidungsparty
wurde nach der Pause noch irrer mit
Verschnitten von Michael Jackson und
Joe Cocker. Doch all das war noch gar
nichts gegen den improvisierten Überraschungsauftritt
der Holeblocks nach
dem Gewitterstart.
A-Cappella und Falsett
Zumindest virtuellen Sonnenschein
und blauen Himmel zauberten die ACappella-
Sänger mit »The Voice of
Summer«. Selbst die leicht Durchfeuchteten
unter den dicht gedrängt
stehenden Zuhörern waren schlagartig
wieder bester Laune und applaudierten
wie besessen, als Matthias Kunkel
den Operntenor gab.
Sebastian Müller und Michael Krug
trällerten um die Wette im höchsten
Falsett. Bariton Markus Reuter lieferte
die seriöse Unterströmung zum Ohrenschmaus
unplugged. Bei der Melodien-
Gaudi aus der Fernsehwerbung,
von Abflussfrei bis Ricola, wurde
begeistert mitgesungen.
Als die Musiker zum Schluss verkündeten,
dass sie den Großteil der
Gage für die Kinderklinik spenden,
hatten sie die Herzen restlos erobert.
Melanie Pollinger
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