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ASCHAFFENBURG. In eine Zeit, in der nur
die Männer Hosen trugen und über die
Rockträgerinnen bestimmten, hat das
Schauspiel »Imperium Sonoris – Das
Vermächtnis des Theodosius Nox« die
Zuschauer in der Maria-Ward-Schule
zurückversetzt. Die 26 Mädchen des
Kammertheater-Ensembles brauchten
bei beiden Vorstellungen keinen einzigen
Gastschauspieler, um die Männerwelt
des ausgehenden 19. Jahrhunderts
lebendig werden zu lassen.
Im Mittelpunkt des von Spielleiterin
Cornelia Hamidi geschriebenen und
mit Musikeinlagen gestalteten Stücks
steht der Göttinger Wissenschaftler
Theodosius Nox (Zahra Omelnik). 1892
entwickelt er einen Apparat zur Erzeugung
des absolut reinen Klangs, den
sogenannten Purifikator. Bis nach
Finnland, zum Schamanen Väkivalta
(Miriam Thalheimer), führen ihn seine
Forschungen. Durch Sabotage kommt
Nox ums Leben, kann aber vorher die
Unterlagen seiner Erfindung dem
Freund Heinrich von Thalstein (Nina
Aldenhoff) anvertrauen. Auf dessen
Betreiben kommt Nox posthum zum
verdienten Ruhm.
Differenziert angelegte Figuren
Pioniergeist gegen Geldgier, Ehrenhaftigkeit
gegen Eitelkeit, Wahrheit
gegen Lüge: Der Kampf zwischen Gut
und Böse nahm Gestalt an in differenziert
angelegten Figuren. Mitunter
waren sie humorvoll überzeichnet wie
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der durchgeknallte Irrenanstaltsleiter
Dr. Söderbaum – Jacqueline Rupp steigerte seine Meckerstimme bis zum Überschnappen – und der aus Frankreich
stammende Instrumentenfabrikant
Jean Pierre De la Marc, den Gloria
Aldenhoff galant und durchtrieben
zugleich mimte.
Doch nichts glitt ab ins Platte auf der
mit viel Flair gestalteten Bühne und
Nebenbühne. Die achtköpfige Kulissengruppe
hatte unter der Regie des
Mathematiklehrers Norbert Prebeck
Bauteile gefertigt, die schnelle Szenenwechsel
ermöglichten.
Dass unter der schwarzen Bart- und
Lockenpracht des tragischen Titelhelden
eine Oberstufenschülerin
steckte, war kaum zu glauben. Mit fester
Stimme und markanter Gestik verkörperte
sie den beherzten Forscher
und besorgten Familienvater. Den teils
sehr temperamentvollen weiblichen
Gegenpart lieferten Nina Geßler als
Tochter Serafina und Josephine Reising
als Ehefrau Agathe. Als Ehrenmann
mit feinsten Manieren kam
Freund Heinrich daher. Nina Aldenhoff
gab ihn charismatisch und würdevoll
– abgesehen von einem unfreiwilligen
Lachanfall am Schluss, den das
begeisterte Publikum gern verzieh.
Da stimmte alles an den mehr als 20
Hosenrollen: die Äußerlichkeiten – wie
tadelloser Frack oder Gehrock, aufgemalte
Bärte und Denkerfalten – als auch
der Ausdruck in Sprache und Bewegung.
Folgsam, bescheiden und
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manchmal etwas töricht und schwatzhaft:
So wurden die Frauen, ganz der
Zeit gemäß, von ihren Darstellerinnen
verkörpert. Eine hingegen durfte aus
dem Rahmen fallen: Samantha Geis als
wissbegierige Nachwuchsreporterin
Hella Neuenfeld, die entgegen der
Weisung von Vater Carolus (Simone
Flörchinger), dem Herausgeber des
Göttinger Tagblatts, unter männlichem
Pseudonym schreibt.
Ein Glanzpunkt der Aufführung war
die Musikszene im Zeitungshaus: Redakteure
und Sekretärinnen lassen die
Schreibmaschinen klappern und
skandieren dazu den Rap »Am Puls der
Redaktion«. Hamidi hat ihn getextet
und vertont, ebenso den archaischen
Schamanengesang in Väkivaltas Höhle
und das Schlusslied »Viva imperium
sonoris«.
Und dann ein Film
Auf Flaschen und unterschiedlich gefüllten
Gläsern spielten die Schülerinnen
zu Beginn Chopins »Trauermarsch«.
Später, in der hübschen Laborszene
mit Göttinger Musikstudenten
dann auch Tschaikowskis »Tanz der
Zuckerfee«. Den Beweis für die heilsame
Wirkung einer schönen menschlichen
Stimme durfte Rebecca Thoma
als Fräulein Caecile an der Harfe erbringen:
mit der Arie des Orpheus aus
Glucks »Orpheus und Eurydike«.
Nach der gefeierten Aufführung
wurde in der Aula der unterhaltsame
Film »The Making of« über die Probenarbeit
gezeigt. Melanie Pollinger |