Weihnachtliche Gemeinschaftsleistung
Konzert: Maria-Ward-Schule stimmt 500 Zuhörer in der ausverkauften Christuskirche auf die Festtage ein
ASCHAFFENBURG. Josef Gabriel Rheinbergers Weihnachtsmesse in A, die »Missa in nativitate domini«, hat die Maria-Ward-Schule in den Mittelpunkt ihres vorweihnachtlichen Konzerts gestellt. Mit einer reifen Gemeinschaftsleistung begeisterten die Schülerinnen am Dienstagabend rund 500 Zuhörer in der Christuskirche. Das zu Unrecht in Vergessenheit geratene Juwel geistlicher Musik, uraufgeführt in der Christnacht 1881, erstrahlte in klassischer Formstrenge, feiner Transparenz und Innigkeit zugleich. Carmen Hartlaub übernahm den Orgelpart am Harmonium und legte mit profunder Technik Basis und Rahmen für die Aufführung mit großem Chor, Kammerchor, Streicherensemble und Solistinnen. Schon zu Beginn des Konzerts hatte die 15-jährige Nachwuchsorganistin aus Kleinwallstadt Max Regers anspruchsvolle Toccata in a-Moll an der großen Orgel mit kluger spielerischer Umsicht dargeboten.

Weihnachtskonzert: die Violinistinnen Anne Quatraccioni, Alex Eigenseer und Luisa Seider spielen mit dem Maria-Ward-Orchester Arcangelo Corelli. Fotos: Petra Reith, Main-Echo
Früchte der Arbeit Mit Rheinbergers Messe zeigte die Schule die Früchte engagierter Chorund Orchesterarbeit. Die sorgfältig ausgebildeten Stimmen des Kammerchors fungierten als Säulen beim harmonisch runden »Kyrie« und dem »Gloria«, dessen Dramatik zu Herzen ging, doch immer licht und hell blieb. Eine tolle Chorleistung war das mehrstimmige »Sanctus« mit versetzten Einsätzen. Die Solistinnen Amelie Jakob, Miriam Spahn und Hannah May sangen das »Benediktus« vor dem gemeinsamen Schlussjubel »Osanna«. Chorleiterin Barbara Steigerwald und Orchesterchefin Annette Schupp hatten ganze Arbeit geleistet, auch beim abschließenden Sahnehäubchen des Abends, dem »Halleluja« aus Händels Oratorium »Der Messias«, bearbeitet von Andreas Wins. Da glaubte man Engelsstimmen zu hören im hohen Chorraum der Kirche, dessen Größe und Akustik sich als ideal erwiesen. Renate Binschek, die Leiterin des Bläserensembles, begleitete am Flügel viele der Chorauftritte: die sieben begabten Sängerinnen des Grundkurses Chor, die Rheinbergers »Puer natus« präzise und einfühlsam gestalteten, aber auch den 24-köpfigen Kammerchor bei drei englischen Titeln. Besonders schön: John Rutters »Angel's Carol«. Mit ansteckender Begeisterung trat der Unterstufenchor auf. Die russische Weise »Bajuschki Baju« steht derzeit hoch im Kurs als romantische Weihnachtsmelodie. Doch mit den Spirituals »Good News« und »Let my light shine bright« eroberten die kleinen Sängerinnen die Zuhörerherzen und bereiteten sie auf den jazzigen Teil des Abends mit dem Bläserensemble vor. Kunstlehrer Werner Kiesel spielte darin mit sichtlicher Freude den Kontrabass. Annyssa Wittaßek steuerte ein grooviges Saxophon-Solo bei »Oh when the Saints« bei.
Picobello gespielte Bach-Gavotten Natürlich hatte es zuvor reichlich Klassik gegeben: Frisch und energisch variierten Orchester und Bläserensemble das Tochter-Zion-Motiv in »See the Conquering Heroes Come« aus Händels Oratorium »Judas Maccabäus «. Das Orchester mit den Geigensolistinnen Anne Quatraccioni und Alex Eigenseer sowie Luisa Seider am Cembalo ließ drei Sätze aus einem Weihnachtskonzert von Corelli funkeln. Das Blockflötenquartett – Eva und Pia Roth, Malaika Lichtenfeld und Stefanie Roider – glänzte mit drei piccobello gespielten Bach-Gavotten. Das Querflötenduo Sabrina Brehm und Katharina Reichow, das wie das Blockflötenquartett unter der Leitung von Barbara Schedelbeck arbeitet, intonierte anmutig und lebhaft zwei Sonaten von Telemann. Fazit für die Maria- Ward-Familie: Eine rundum gelungene Einstimmung auf Weihnachten.
Melanie Pollinger
Main-Echo vom 18.12.2009