Keine Scheu vor pikanten Themen
Museumsnacht: Maria-Ward-Schülerinnen erklären Besuchern ihre Lieblingsbilder
Aschaffenburg Von der Renaissance bis zur zeitgenössischen Malerei reicht die Palette der Bilder, die 13 Schülerinnen der Aschaffenburger Maria-Ward-Schule interessierten Besuchern des Schlossmuseums näher bringen wollen. Auf Anraten ihres Lehrers Werner Kiesel werden die Jugendlichen aus dem Kunst-Leistungskurs während der Museumsnacht am 12. Juli, von 19 bis 21 Uhr, in die Rolle von Museumsführern schlüpfen. Jeweils ein Bild haben sich die Schülerinnen ausgesucht, über das sie an diesem Abend referieren werden. Dabei gehen die Erklärungen der 18- bis 20-Jährigen weit über die auf den Wandtafeln zu lesenden Informationen hinaus. Auch das auswendig gelernte Herunterleiern von Eckpunkten der Biographie des Malers muss keiner der abendlichen Kunstbewunderer fürchten. "Wir wollen eine Situation herstellen, bei der jeder gewinnt: Die Besucher des Museums, weil sie fachkundige Informationen zu den Gemälden bekommen. Das Museum selbst, weil es eine besondere Aktion ist, die so in Aschaffenburg noch nicht stattgefunden hat und natürlich auch die Schülerinnen, die sich intensiv mit „ihren“ Bildern beschäftigen", erklärt Kunstlehrer Werner Kiesel, der die Idee zu diesem Projekt hatte.
Bei der Generalprobe zeigt sich der Pädagoge dann auch schon recht zufrieden. Seine Schülerinnen interpretieren ihre Lieblingsbilder, erläutern die Symbolik, erklären die Maltechnik und weisen auf Besonderheiten hin.
Vor allem die naturalistischen Gemälde des Aschaffenburger Künstlers Adalbert Hock (1866-1949) und die kraftvoll-expressiven Spätwerke Christian Schads (1849-1982) haben es ihnen angetan. Bei der Auswahl ihrer Bilder scheuten sich die Kunst-LKler auch nicht vor pikanten Themen wie die Darstellung pubertierender weiblicher Sexualität in Schads Werk "Im Irisgarten" oder die faszinierend-morbide Abbildung eines toten Erpels in Hocks "Jagdbeute".
So können wir den Leuten vielleicht helfen, ein Gemälde besser zu verstehen. Mona Geibig, Schülerin Die meisten Schülerinnen legen ihr Hauptaugenmerk auf die Deutung der Bild-Symbolik. "Symbole drücken den tieferen Sinn eines Bildes aus. So können wir den Leuten vielleicht helfen, ein Gemälde besser zu verstehen", sagt Mona Geibig (18).
Helena Bachmann aus Kleinwallstadt hat sich für Theodor van Thuldens "Allegorie auf die Unbeständigkeit des Glücks" entschieden. Sie war überrascht, wie der Barockmaler die Vergänglichkeit des Lebens durch die Abbildung prunkvollen Überflusses darstellt. "Die schillernde Seifenblase, die ein Junge auf dem Bild bläst, sieht schön aus, zerplatzt aber schnell. Sie ist deshalb auch ein Symbol für den Tod", erläutert die 18-Jährige.
Kursleiter Kiesel stimmt seine Mädels am Ende der Generalprobe noch einmal auf Samstag ein: "Ihr seid die Chefs und müsst euren Vortrag verbindlich rüberbringen." Die Schülerinnen nicken. Ein bisschen Angst, dass Fragen kommen, die sie nicht beantworten können, haben sie schon. Ansonsten sehen sie die ganze Aktion aber "ziemlich locker". Boris Dauber
Main-Echo vom 10.07.2008