Im Namen der Rose
Zum Valentinstag schicken sich Aschaffenburger Schüler heute Blumen und Briefe von Schule zu Schule
Aschaffenburg. Am Valentinstag wird geliebt, geknuddelt, gegrüßt und geknutscht - auch in der Schule. Damit es noch schöner wird, gibt es die große Valentinstagsaktion der Aschaffenburger Schulen: Noch vor der großen Pause werden heute rund 280 Schüler eine rote Rose in den Händen halten und wissen, dass jemand an sie denkt. Möglich macht das die Schülervertretung.
Am Montagmittag stecken die Schülervertreter noch mitten in den Vorbereitungen: Der Couchtisch im Keller des evangelischen Jugendzentrums (Juz) ist fast zu klein für all die Briefe und Schülerhände, die dabei im Spiel sind. »Einmal Post für die Maria Ward«, ruft jemand. »Sortieren, nicht lesen«, warnt jemand anderes. Und, ganz wichtig: »Nix durcheinanderbringen!« Das sagen alle, immer wieder.
Den Überblick behalten an diesem Nachmittag Simon Kipplinger und Melanie Rüth. Melanie besucht die 13. Klasse der Maria-Ward-Schule, Simon die 12. der Fachoberschule. Beide gehören zum Vorstand der Aschaffenburger Schülervertretung (ASV). Seit mindestens »sechs, sieben Jahren« - so genau weiß das keiner der Aktiven - organisiert der Verein die Rosenaktion. In diesem Jahr dabei sind die Maria-Ward-Schule, Dessauer-, Dalberg-, Kronberg- und Hanns-Seidel-Gymnasium, außerdem die Wirtschaftsschule Krauß, die beiden staatlichen und die Hösbacher Realschule.
Die Grüße sind eine Freundschaftsgeste.
Melanie Rüth, 19 Jahre
Bis vergangenen Freitag konnten die Schüler ihre Briefe abgeben und dazu Rosen bestellen, für zwei Euro das Stück. Das ist ein echtes Schnäppchen: Im Blumenladen kann eine Rose heute bis zu fünf Euro kosten. 280 rote Rosen hat Simon bestellt, im Internet. Gestern wurden sie geliefert, heute bringen er und Melanie die Blumen an die Schulen. Während der ersten Unterrichtsstunde wollen sie das schaffen.
An den Schulen verteilt die betreffende Schülervertretung (SV) die Post. Ob eine Schule mitmacht oder nicht, liegt am Engagement der Einzelnen. »Wir bieten das nur an«, erklärt Simon. »Ob eine SV annimmt, liegt an ihr«. Als Dachverband versucht die ASV seit 2001, die Aschaffenburger Schulen zu vernetzen - und einmal im Jahr lässt sie dafür Blumen sprechen.
Bevor es soweit ist, werfen die Schülersprecher Post und Geld zusammen. »Das sind jetzt nur die Briefe, die von einer Schule an die andere müssen«, erklärt Simon. Schulintern werden freilich auch Grüße verschickt, »eine Menge«, weiß Melanie. Lehrer kommen dabei übrigens schlecht weg: »Theoretisch können die auch mitmachen«, versichert Simon. Täten sie aber nicht. Und Briefe, nein, oder sogar Rosen, oh nein, bekämen sie in aller Regel auch nicht.
Das ist nur für Verliebte.
Simon Kipplinger, 18 Jahre
Darüber, was so ein Valentinsgruß bedeutet, sind sich die jungen Leute nicht einig. Ist der Valentinstag nur etwas für Pärchen? Melanie guckt kritisch. »Nein«, sagt sie, »diese Grüße sind eine Freundschaftsgeste«. Simon dagegen überlegt. »Ja, doch, das ist nur für Verliebte«, sagt er schließlich. Selbst nutzen wird er den Valentins-Service deshalb heuer nicht: Seine Freundin ist zurzeit in England.
Aber kann man mit den Rosen nicht auch prima flirten? Die Frage sitzt. Ein paar Wangen werden rosig, es wird gekichert auf dem Sofa. Simon hat sich als erster wieder im Griff. »Ja klar. Und es wird auch so genutzt«, erklärt er entschlossen - und schweigt, ganz Gentleman, ob der Details.
Derweil haben die Schülersprecher allmählich Ordnung in den Briefeberg gebracht. Sie wissen jetzt, dass der Valentinstag auch den jüngeren Schülern nicht egal ist: »Oh ja, wir haben Briefe für die Klassen fünf bis sieben«. Max Karpf nickt bedeutungsschwer: »Die meisten sogar«. Max vertritt das Kronberg-Gymnasium und kann nicht verbergen, dass er das ach-so-amouröse Engagement der Unterstufler albern findet. Insgesamt 45 Rosen werden Melanie und Simon am Kronberg abliefern. Aber Max hat gesehen, an wen sie adressiert sind: »Es sind die Mädels untereinander, die sich etwas schicken«, erklärt er kühl.
Doch ganz gleich, wie alt die Beschenkten sind - wenn heute die SV an die Klassenzimmertür klopft, dürften einige Hälse lang werden. »Es wird schon geschaut, wer eine Rose bekommt«, berichtet Simon. »Und dann wollen alle möglichst schnell rausfinden, von wem die denn kommt«.
Moni Münch, Foto: László Ertl, Main-Echo, Erscheinungsdatum: 14.02.2007