Dem Wandel unterworfen
Ausstellung »Trans-Form« in der BBK-Galerie Würzburg
Würzburg. Nicht auf tönernen, wohl aber auf hölzernen Füßen steht er in der Mitte der BBK-Galerie in Würzburg: der »Centauro« von Giancarlo Lepore. Dünn und fragil ragen seine Extremitäten aus dem Rumpf, finden kaum Halt auf dem Boden und strecken sich unsicher gen Decke. Einzig der zierliche Rumpf, der wie eine Klammer die gesamte Figur zusammenhält, strahlt Stärke aus, hat ihn der italienische Künstler doch aus Stahl geschmiedet. Die raumhohe Skulptur wird zum Symbol der Ausstellung »Trans-Form« in der BBK-Galerie. Zeigt sie doch auf eindringliche Weise, wie sehr nicht nur antike Helden, sondern wir alle dem ständigen Wandel unterworfen sind - und wie leicht wir daran zu zerbrechen drohen.
Neben dem die Schau beherrschenden Werk sind noch Arbeiten von fünf Kollegen Lepores zu sehen: Pino di Gennaro zeigt Hieroglyphen-Rollen und -Kugeln. In Rahmen klemmen seine farbigen Säulen mit Symbolen und Zeichen, während auf dem Boden mehrere goldene Kugeln - ebenfalls von Zeichen überzogen - in einem Kreis aus gestreutem Sand liegen. Maria Jannelli träumt sich mit ihren großformatigen Porträts von Filmgrößen zurück in die große Zeit der Kinohelden. Renato Galbusera erinnert mit seinen futuristisch anmutenden Stadtgeschichten daran, wie vergänglich die Zeit über Städte hinweg geht - und was davon in unserer Erinnerung bleibt. Antonio Miano zeigt Porträts von Persönlichkeiten der Vergangenheit. Von Luis Borges bis Federico García Lorca haben alle seine Figuren eine unbestimmte Melancholie im Blick: Der Fluss der Zeit geht auch an berühmten Schriftstellern nicht spurlos vorüber. Und Claudio Zanini verweist mit seinen gestisch-abstrakten Werken auf das stetige Wesen der Veränderung. Schwarze Flüsse und Schwünge werden bei ihm von Farbeinschüben aufgehalten, abgelenkt.
Sechs Positionen - sechs künstlerische Ansätze: Das Problem von Themenausstellungen ist, dass sich der Betrachter auf kurze Distanz mit immer neuen Sichtweisen beschäftigen muss. Manchmal geht das ziemlich schief, weil die ausstellenden Künstler nicht auf einem qualitativen Stand arbeiten. In Würzburg erscheint jedoch die Auswahl wie aus einem Guss. Harmonie strahlt der kleine Raum neben dem Kulturspeicher aus.
»Trans-Form« heißt die Ausstellung auch deshalb, weil zeitgleich sechs unterfränkische Künstler ebenfalls in Würzburg ausstellen: Irmtraud Klug-Berninger, Kathrin Feser, Werner Kiesel, Cornelia Krug-Stührenberg, Magnus-P. Kuhn und Roland Schaller. Danach werden die Werke aller zwölf Künstler gemeinsam in Mailand gezeigt. Kunst bewegt nicht nur - sie bewegt sich auch selbst.
Italien und Deutschland tauschen sich aus auf künstlerischem Gebiet, entdecken Gemeinsamkeiten, Trennendes und Verbindendes - eine Beziehung, die garantiert weder auf hölzernen, noch auf tönernen Füßen steht.
Bettina Kneller
Main-Echo vom 07.07.2007