Gluthitze statt Eis und Schnee
Wallfahrt: Auf den Spuren von Ordensgründerin Maria Ward gewandert – Aschaffenburger bei 400-Jahr-Feier in Rom
ASCHAFFENBURG. 2000 Kilometer zu Fuß von Lüttich nach Rom: Die beschwerliche Reise der Ordensgründerin Maria Ward zu Papst Gregor XV. im Jahr 1621 hat eine Pilgergruppe aus bayerischen Maria-Ward-Schwestern und Laien nachempfunden, darunter die Großostheimer Realschullehrerin Elisabeth Graser und ihr Mann Ulrich. Diese Woche wird das 400-jährige Bestehen des Ordens in Rom gefeiert – heute mit einer Papstaudienz.
In sechs Etappen gewandert Der Anfang sei eine »Schnapsidee« auf einer Bildungsreise durch die englische Grafschaft Yorkshire gewesen, verrät Elisabeth Graser. Sie wanderten allerdings nicht am Stück und im Winter über verschneite Alpenpässe, wie es die unerschrockene Engländerin Mary Ward getan hatte, sondern in sechs Etappen in den Pfingst- und Sommerferien zwischen 2002 und 2009. Als Erkennungszeichen trugen sie gelbe TShirts statt der historischen Witwentracht von Mary Ward.
Elisabeth Graser unterrichtet an der Aschaffenburger Maria-Ward-Schule Deutsch und Religion. Sie und ihr Mann gehören zu den Gästen aus aller Welt, die das Jubiläum nicht nur mit der Papstaudienz, sondern mit einem vielfältigen Programm darunter morgen eine Festmesse in der Kirche San Ignazio, feiern. Aus Aschaffenburg nach Rom gereist sind Schwester Oberin Deborah Fürstberger, Schwester Elfriede Frasch, Gudrun Stöer aus Obernburg, Mitglied im Stiftungsrat der Maria-Ward-Schule, Schulpsychologin Andrea Scholz sowie die Lehrerinnen Monika Müller, Angelika Körner und Karin Steinhaus. Die frühere Schulleiterin Schwester Renata Rohleder hat die Festwoche in Rom mit organisiert und ist selbstverständlich auch dabei.
Historischer Weg schwer zu finden Die Lüttich-Rom-Pilger wurden bereits auf der Piazza del Popolo mit einem Wortgottesdienst begrüßt. Das Ehepaar Graser waren die einzigen Teilnehmer vom Bayerischen Untermain, die sich der Gruppe um die Augsburger Maria- Ward-Schwestern Monika Glockann und Gabriele Martin angeschlossen hatten. Schwester Monika leitet das geistliche Zentrum der Congregatio Jesu – so nennen sich heute die Maria- Ward-Schwestern – in Augsburg und übernahm bei der Wallfahrt die spirituelle Leitung. Schwester Gabriele unterrichtet in Nymphenburg Deutsch, Geschichte und Erdkunde. Sie hat die Route von Lüttich nach Rom zusammengestellt und ist die Etappen vorher abgewandert. Da sich in vier Jahrhunderten viel verändert hat zwischen Lüttich und Rom, war das Finden des historischen Pilgerpfads oft schwierig und manchmal unmöglich. Doch die zehn Teilnehmer kamen gut voran: 25 bis 30 Kilometer am Tag, jeweils zwei Wochen lang.
Auf dem Mont-Senis-Pass an der Grenze zwischen Frankreich und Italien konnte sich die Gruppe an unberührter Natur freuen – nachdem sie mit Hilfe von Einheimischen den Umweg um eine frische Mure gefunden hatte. »Das war schon spannend, auch wettermäßig «, erzählt Graser. Die Gruppe habe »aus der Kiste« gelebt. Diese befand sich im Begleitfahrzeug, mit dessen Fahrt sich die Pilger abwechselten. »Unsere Reise verlief mit großer innerer Befriedigung, ohne eine Erkrankung. Wir gingen den ganzen Weg zu Fuß«, hatte Maria Ward nach ihrer Ankunft am Heiligen Abend 1621 in ihrem Tagebuch notiert. Die bayerischen Wallfahrer konnten eine ähnliche Bilanz ziehen. Allerdings kämpften sie sich nicht durch den harten Winter, sondern schmorten ab dem Mont Senis in Gluthitze. Morgens ist man daher schon vor 6 Uhr aufgebrochen.
Morgens Aufbruch vor 6 Uhr Vom Einzug in Rom schwärmen sie noch heute: Jeder bekam auf der Piazza del Popolo eine rote Rose überreicht und legte dann seinen Wanderstock auf den Altarstufen ab.
Melanie Pollinger
Main-Echo vom 7.10.2009