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Ein Weg aus Mosaiksteinen

Schwester Piata Saalmüller feiert am Sonntag in St. Laurentius 50. Professjubiläum

Aschaffenburg. Mit einer Fülle Mosaiksteinchen, die sich im Laufe der Jahre zu einem festen Bild zusammengefügt haben, vergleicht Schwester Piata Saalmüller den Weg, der sie Anfang der 50er Jahre zur Kongregation der Dillinger Franziskanerinnen geführt hatte. Am Sonntag feiert die Aschaffenburgerin in der Laurentiuskirche ihr 50. Professjubiläum.

Als Ruth Saalmüller kam Schwester Piata am 25. Juli 1935 als ältestes von vier Kindern zur Welt. Die Familie war gläubig. »Wir haben immer getan, was die Pflicht eines Christen ist«, beschreibt sie ihre Erziehung.

Das Mädchen hatte zunächst die Volksschule in Leider besucht und hier die Turbulenzen des Krieges erlebt - auch die zeitweilige Evakuierung der Kinder. Nach dem Krieg ging sie zunächst in die Maria-Ward-Schule und begann eine Lehre als Bürokauffrau in Aschaffenburg. In dieser Zeit reifte ihr Entschluss, den Franziskanerinnen beizutreten. Die Nähe zur Kirche sei stets da gewesen. Ein Pfarrer hatte die junge Frau auf die Schwestern in Dillingen aufmerksam gemacht. Kontakt zu dem Orden habe sie zuvor nicht gehabt, doch in Aschaffenburg seien Franziskanerinnen präsent gewesen: Sie betreuten alte Menschen und waren - wie heute noch - im Hortbereich tätig.

Für ihre Familie sei der Entschluss nicht allzu überraschend gewesen. »Die haben das damals schon gespürt«, sagt Schwester Piata über ihre Eltern und Geschwister. Im Alter von 17 Jahren trat sie in das Kloster der Dillinger Franziskanerinnen ein, deren Geschichte bis ins 13..Jahrhundert zurückreicht. 1956 - im Alter von 21 Jahren - erfolgte die Einkleidung, 1957 feierte sie ihre Profess. »Als ich eingetreten bin, waren wir etwa 150 Kandidatinnen«, erinnert sich die Jubilarin - es war ein Noviziat in der Menge. Zur Zeit seien nur noch vereinzelte Novizinnen im Dillinger Mutterhaus. Für Saalmüller Zahlen, die auch den Wandel der Gesellschaft im vergangenen halben Jahrhundert dokumentieren.

Unterricht nach Tradition

Die junge Frau wurde für den Lehrberuf ausgebildet, Schwester Piata machte ihr Staatssexamen in München und unterrichtete an verschiedenen Schulen. Eine Tradition der Dillinger Franziskanerinnen, die sich bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgen lässt. Als Stationen ihres Lebensweges nennt Schwester Piata Dillingen, Nördlingen und Medingen. Vom Internat bis zur Dorfschule war alles dabei, sagt sie. »Nur in Aschaffenburg war ich nie tätig«, betont sie. Vor etwa zehn Jahren kehrte Schwester Piata ins Mutterkloster nach Dillingen zurück. Seit sie vor drei Jahren aus dem Schuldienst ausschied, widmet sie sich überwiegend dem Leben im Kloster. Dies Arbeitsbereiche reichen vom Dienst an Pforte und Telefon bis zur Gartenarbeit.

»Immer zu dreien, selten zu zweien«, beschreibt sie eines der Prinzipien im Kloster. Das Leben in der Gruppe gewährleistet, dass die Gemeinschaft funktioniert. »Es ist wie in einer Familie«, sagt sie. Zu den Dillinger Franziskanerinnen gehören heute weltweit etwa 1000 Schwestern, die in Filialen in Deutschland, den USA, Brasilien, Indien, Spanien, der Schweiz und Albanien leben.

Das Interesse am Leben im Kloster scheint auch in Deutschland derzeit zuzunehmen. Das belegt die immense Resonanz au die filmische Kloster-Dokumentation »Die große Stille« oder Veronika Peters Autobiographie »Was in zwei Koffer passt« auf der Bestsellerliste. Die Leute seien für Glaubensthemen sehr offen, bestätigt Schwester Piata. Bei den »Exerzitien des Alltags«, die sie in den Wochen vor dem Osterfest begleitet, spüre sie das Bedürfnis der Menschen nach diesen geistlichen Übungen. »Es ist sehr wichtig, dass man rausgeht«, sagt sie.

Vor allem die Jugendarbeit habe sie als Anliegen begriffen. Sie schätzt die Offenheit der Kinder, sagt sie. Auf der Straße habe sie gerade ein Junge angesprochen, der wissen wollte, was es mit der Ordenstracht auf sich habe. »Das habe ich ihm erklärt«, sagt Schwester Piata.

»Mit dem Stadtteil Leider ist sie verbunden geblieben«, so Pfarrer Wolfgang Senzel, der die Jubiläumsfeier am Sonntag organisiert. Bereits ihr 40. Professjubiläum habe Schwester Piata in ihrer Heimat gefeiert. Der Kontakt zu ihrer Familie ist gut. Ihre drei Großneffen sind als Ministranten aktiv.

Alexander Bruchlos
Main-Echo vom 28.04.2007


  

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