»Für ein neues Frauenbild«
Sr. Mechtild Meckl: Interview mit der Generaloberin der Maria-Ward-Schwestern zum 400. Ordensjubiläum
Rom Sr. Mechtild Meckl CJ ist für rund 2000 Maria-Ward-Schwestern weltweit verantwortlich. Der Orden der Englischen Fräulein, heute Congregatio Jesu (CJ), feiert in diesen Tagen das 400-jährige Bestehen des Ordens. Beim Tag der Offenen Tür im Generalat in Rom sprach unsere Mitarbeiterin Andrea Hammerl mit der aus Würzburg stammenden 69-jährigen Generaloberin über Jubiläum und Zukunft der CJ.
Sr. Mechtild Meckl hofft auf die Seligsprechung von Maria Ward. Foto: Hammerl Main Echo
Sr. Mechtild, welche Bedeutung hat das Mary-Ward-Jubiläum?
Wir feiern das Jubiläum der Ordensgründung, nicht Geburts- oder Todesjahr unserer Gründerin Mary Ward. Das soll ihre Bedeutung als Pionierin eines apostolischen Frauenordens deutlich machen. Wir feiern ihr Werk.
Es gibt noch ein weiteres Jubiläum…
Ja, seit 100 Jahren dürfen wir Mary Ward wieder als unsere Gründerin benennen. Wir gehen jetzt der Frage nach, wer diese Frau war, die 400 Jahre am Leben blieb, obwohl sie angefeindet wurde und 300 Jahre lang nicht genannt werden durfte. Dieses Jubiläum rehabilitiert sie.
Frauenorden gab es in der Zeit der Gegenreformation doch genügend. Was war das Besondere an Ihrem Orden?
Mary Ward steht für ein neues Frauenbild in Kirche und Gesellschaft. Mary Ward wollte ihrer Kirche dienen, aber zugleich in die Welt hinausgehen und den Glauben verbreiten. Die von ihr gegründeten Schulen für Mädchen aller Schichten waren Mittel zu diesem Zweck.
Das kam bei der Kirche jedoch nicht gut an?
Mary Ward musste auf Widerstand stoßen, denn ihr neues Bild einer christlichen Frau stand im scharfen Gegensatz zum Bild der Kirche. Damals gab es Bildung für Frauen nur innerhalb von Klostermauern. Sie aber wollte eine für Frauen neue Form des Ordenslebens - nach dem Vorbild der Jesuiten, ohne Klausur und gemeinsames Chorgebet, dennoch ein echtes Ordensleben mit Gelübden und Gemeinschaft.
Was war Ihre größte Freude in sieben Jahren als Generaloberin?
Wir sind vorangekommen beim Seligsprechungsprozess für Mary Ward. Wir erwarten, dass Papst Benedikt heuer noch verkündet, Mary Ward sei venerabilis, also verehrungswürdig.
In der jetzt vereinten deutschsprachigen Provinz ist Aufbruch spürbar, mehr Dynamik, Öffnung, Beweglichkeit, ja sogar Wachstum. Wir haben zehn junge Schwestern mehr seitdem. Noch mehr Wachstum gibt es in Indien, wo wir jetzt fünf statt zwei Provinzen haben.
Was würde die Ordensgründerin zur Kirche der heutigen Zeit sagen?
Ich glaube, sie würde feststellen, dass es heute viel mehr Möglichkeiten für Frauen gibt - auch in der Kirche. Aber sie würde wohl auch sagen: »Ihr habt noch viel zu tun, ihr habt euren Platz in der Kirche noch nicht gefunden.« Es gibt immer noch Länder, in denen keine Theologinnen beruflich unterkommen. Sie würde sich vor allem in Schwellenländern weiter für Mädchenbildung einsetzen, für entrechtete Frauen, Gesundheitserziehung, Hygiene, allgemeine Sozialarbeit. Und sie würde zum Dialog auffordern, soziale Veränderungen der Gesellschaft anstreben - auf theologischer Basis.
Wie geht es mit dem Orden trotz Nachwuchssorgen weiter?
Wir schrumpfen in Westeuropa, aber wir wachsen in der Slowakei, in Indien, Korea und Afrika. Wir haben junge charismatische Frauen, Theologinnen, Juristinnen, Ärztinnen. Wir mögen in Europa wenige sein, aber wir haben auch hier eine Zukunft durch neue Berufe und neue Aufgaben wie Dialog mit anderen Religionen und Kulturen, Erwachsenenbildung und spirituelle Angebote. Wir wollen aktiv mitgestalten in Kirche und Gesellschaft.
Main-Echo vom 22.10.2009