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Spazieren zwischen Brahms und Bizet

 

Musik Äußerst gelungenes Wandelkonzert an der Maria-Ward-Schule - Publikum flaniert zwischen vier Spielorten

 

Aschaffenburg Schulkonzerte sind Pflichtübungen: Nicht unbedingt lästig, aber doch eine Prüfung für Väter und Mütter, die dem Nachwuchs an diesem Abend ungeteilte Aufmerksamkeit schenken wollen - aber im Sommer, da ist es eben auch heiß in so einer Schulturnhalle oder Aula.

Die Maria-Ward-Schule hat jetzt aus der Pflicht eine Kür gemacht und am Mittwoch zum Wandelkonzert geladen. Dreimal -  um 17, 18.30 und um 20 Uhr - begannen einstündige Konzerte an verschiedenen Orten in der Schule. Die Zuhörer stellen sich dabei ihr Programm nach Laune zusammen und flanieren zwischendurch über den Schulhof, wo Schüler und Lehrer gemeinsam den warmen Abend mit Jazzstandards umgarnen. Und plötzlich ist es weg, dieses Schulkonzert-Gefühl: Übrig bleiben ein gelöster Abend, sehr viel Talent und noch mehr gute Musik.

 

Unterstufenchorder MWS, Foto:Main-Echo

Nachwuchssorgen sehen anders aus: Der Unterstufenchor der Maria-Ward-Schule stellte sich beim Wandelkonzert mit Abba und den Comedian Harmonists vor. Foto: Main-Echo

Unter der Leitung von Annette Schupp zeigt das Orchester in der alten Turnhalle einen ambitionierten Querschnitt seines Könnens. Den Auftakt bildet der britische Komponist Karl Jenkins, der mit seinem Concerto grosso "Palladio" den Spagat zwischen Klassik und Popkultur schafft - das Allegro dieses Werkes kennt das Publikum noch immer als Thema eines Werbespots für Diamanten. Das MWS-Orchester aber brilliert mit dem Vivace: Mit entschlossenem Strich und Esprit bringt es Leben in die gewollt strenge Komposition.

Lebendig geht es weiter: Christine Drenkard und Gastherr Kevin Dommes tanzen Tango; Larissa Preiß und Sandra Zimmer lassen anmutig die Bänder nach einer Choreographie der Sportlehrerin Wiltrud Horvacki kreisen.

Kontrabass im Mittelpunkt Zur kleinen Perle gerät Telemanns "Grillen-Symphonie", die der Grundkurs Orchester einstudiert hat. Kontrabassistin Francesca Merz muss hier endlich einmal nicht fürchten, im Orchester unterzugehen: Denn Telemann hat zwei Kontrabässe in den Mittelpunkt seiner humoristischen Tondichtung gestellt; den zweiten spielt Sebastian Roth vom Friedrich-Dessauer-Gymnasium. Eine Spielwiese für die Klangfülle des Schulorchesters - komplett mit Pauken, Saxophonen, Tuba - bietet zum Abschluss Bizets wunderbares Carillon aus der ersten Arlésienne-Suite. Die erwartungsvoll-fröhliche Komposition erlaubt den Schülerinnen zu zeigen, wofür sie stehen: für Frische und mitreißende Spielfreude.

Beeindruckend versiert Die neue Aula der Schule gehört derweil den Chören. Die Unterstufe singt Abba und die Comedian Harmonists, der Grundkurs Chor gibt Kuschelpop. Als Leistungsträger präsentieren sich der große Chor und vor allem der Kammerchor: Der interpretiert die Liebeslieder-Walzer von Brahms gefühlvoll, dynamisch und beeindruckend versiert. Die Sänger werden begleitet von Renate Binschek am Klavier und stehen unter der Leitung von Barbara Steigerwald, die die Stimmen der Mädchen zum Besten zu formen versteht.

In der Kapelle des Maria-Ward-Klosters stellen sich zeitgleich kleinere Ensembles vor. Katrin Penz legt Grundlagen, indem sie engagiert mit dem Vororchester arbeitet. Barbara Schedelbeck hat mit Sabrina Brehm, Julia Elsesser, Katharina Reichow und Stephanie Schulz ein Querflöten-Quartett aufgebaut, dass über einen sicheren Ton verfügt und sehr solide Mathias Stabingers Quartette interpretiert. Eine Lanze für die Blockflöte brechen zuletzt Pia und Eva Roth, Malaika Lichtenfeld, Stefanie Roider und Angelina Alberg mit Prokofjews "Peter und der Wolf". Während Myrjam Spahn die Geschichte mit glasklarer Stimme erzählt, geben die Bläserinnen Vogel und Gans, Wolf und Jäger ihr schillerndes Tongewand. Dafür lösen sich die Mädchen aus starren Gerüsten - was sie nur können, weil sie ihr Instrument so gut beherrschen, dass sie den gemeinhin bekannten Blockflötenklang weit hinter sich lassen können.

"Musik verwandelt Schule" war das Motto des Abends. Was am Ende der Verwandlung steht, weiß man jetzt: Schule als Lebensraum, ein Konzert als Begegnung, Musik als große Freude.

 

Moni Münch                     

Main-Echo vom 25.7.2009 

 

 


    

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