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Ein getanztes Frauenleben

Die Bühne ist für alle offen: Schülerinnen der Tanzwerkstatt an der Maria-Ward-Schule zeigen, was sie können

Aschaffenburg Ausdruckstanz stand auf dem Programm. Kleine Geschichten erzählten die Schülerinnen der Realschule und des Gymnasiums, tänzerisch verpackt und individuell künstlerisch dargestellt. Ein ganzes Frauenleben entwickelte sich innerhalb einer guten Stunde auf der Bühne. Ein junges Paar turtelt verliebt über die Bühne, ein Baby kommt zur Welt, Kinderspiel oder Streit und Trauer? 70 Schülerinnen hat die Sportpädagogin Wiltrud Horvacki in ihren Gruppen versammelt und mit ihnen zu jeder Lebensphase eine Choreographie erarbeitet.
Über die Bretter schwebten keine rappeldürren Elevinnen. »Tanzen kann jeder«, betonte Horvacki, daher verschließt sich dieses Wahlpflichtfach auch für niemanden. »Gleichgültig ob klein oder groß, kräftig oder dünn, selbstbewusst oder schüchtern, bei uns ist die Bühne für jeden offen«, bekräftigte die Pädagogin ihren Ansatz.
Die Mädchen erkannten die Chance. Mit Begeisterung erfüllten sie ihre Aufgabe, die es durchaus in sich hatte. Die Schrittfolgen waren kompliziert, die Bühne eng, die Zusammenarbeit musste klappen ? und funktionierte. Diesen Effekt bringt der Tanz ganz nebenbei. »Bei keinem anderen Sport werden so viele Kontaktstellen zwischen Nerven und anderen Zellen gebildet«, erläuterte die Lehrerin dem Publikum.

Tanzen ist Konzentrationstraining

Mit anderen Worten: Tanzen ist Konzentrationstraining. Zudem schult es die Koordination und die Ausdauer. Tänzer lernen, miteinander auszukommen und sich in eine Gruppe einzufügen. »Und wenn, wie hier, die Bühne viel kleiner ist als die Turnhalle beim Einstudieren, lernt man auch zu improvisieren«, entschuldigte die Pädagogin kleinere Unebenheiten im Vortrag. Beachtlich war die Entwicklung der jungen Damen zu beobachten. Schülerinnen der 5. bis 13. Klasse zeigten am ihr Können. Die Ausdruckskraft steigert sich von Jahr zu Jahr. Ihren Höhepunkt fand sie in dem fetzigen Beitrag der drei Kollegiatinnen der 13. Klasse, die eine selbst erarbeitete Kür präsentierten. Horvacki konnte sich auf zwei junge Co-Trainerinnen verlassen. Janine Schmitt aus der zehnten Klasse studierte eine Hip-Hop-Formation mit ihrer Gruppe ein. Und auch Christine Drenkard mit ihrer witzigen Choreographie zum Fettnäpfchenwetthüpfen überzeugte das Publikum.

Horvacki setzte meist auf Musik von Mussorgskij, Tschaikowsky und Bernstein und schärfte so die Sinne ihrer Schützlinge für klassische Melodien. Zum Schluss trat die Lehrerin selbst auf die Bühne und zeigte einen nachdenklichen Tanz. Zu einfühlsamen Gitarrenklängen, live vorgetragen von der blinden Lehrerin Sandra Platano und der Musikstudentin Melanie Römer, tanzte sie das Ende eines Frauenlebens.

Ursula Krah-Will
Main-Echo vom 25.02.2008


    

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