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Kirchenkonzert
Stimmgewaltig gaben sich die Maria-Ward-Schülerinnen am Dienstag in der Christuskirche. Harald Schreiber

    

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Romantiker zu neuem Leben erweckt

Konzert: Maria-Ward-Schülerinnen interpretieren zum Jahresabschluss geistliche Werke in der Christuskirche

Aschaffenburg Eigentlich war es der Abend der Annette Schupp, die als Musikpädagogin schon Jahrzehnte am Aschaffenburger Gymnasium der Maria-Ward-Schwestern wirkt und auch sonst aus der örtlichen Kulturszene als Geigerin und Konzertmeisterin nicht wegzudenken ist. Es war ihre Idee, die in Vergessenheit geratene Messe in d-Moll für Frauenchor, Soli, Orgel und Streicher des aus Mainz gebürtigen Romantikers Peter Cornelius zu neuem Leben zu erwecken.
Obwohl der Schöpfer der beliebten Oper "Der Barbier von Bagdad" auch zu den Erneuerern der katholischen Kirchenmusik gezählt wird, besitzt die moderne Fachliteratur kaum noch Hinweise auf den Dichterkomponisten, der auch in München erfolgreich auftrat, als Schreiber von Messen. Das von Annette Schupp wohl weitgehend arrangierte und in der evangelischen Christuskirche vor rund 600 Hörern aufgeführte Werk wurde ein großer Erfolg voll von spirituellem Tiefgang und romantischer Klangfülle. Beigetragen haben dazu der große Chor der Maria-Ward-Schule, ein nicht minder gut vorbereitetes Orchester und begabte Gesangs solistinnen.
Fröhliches Kyrie, strahlendes Gloria Unter Schupps energischer Leitung, die sie sich mit Barbara Oursin teilte, blühten die einzelnen Messeinhalte in ihrer Bedeutung wieder auf, wobei Peter Cornelius jeglichen romantischen Überschwang mied. Frische, unbekümmerte und seraphische Mädchenstimmen sangen ein eher fröhliches Kyrie und strahlendes Gloria. Vielleicht mag es im Credo, Sanctus und Agnus Dei an der sonst üblichen Andacht und Anbetung etwas gefehlt haben, was übrigens den spirituellen Gesamteindruck gar nicht beeinträchtigte. Eindrucksvoll kam das eher fordernde Dona nobis pacem mit dem Hintergrund der Dankbarkeit herüber. Doch dieses bemerkenswerte Kirchenkonzert besaß außerdem eine Reihe von musikalischen Glanzpunkten, zu denen auch das Konzert in a-Moll für zwei Violinen, Streicher und Cembalo Op. 3 Nr. 8 von Antonio Vivaldi gehörte, das dessen großer Verehrer Johann Sebastian Bach nur unwesentlich veränderte und seinen Namen daruntersetzte.
Die Soloviolinistinnen Laura Deckelmann und Anne Quatraccioni zeichneten sich durch exaktes, flüssiges und facettenreiches Spiel aus. Annette Schupp sorgte für einen zügigen, geschlossenen Orchesterklang, gelungene Tempiänderungen und schöne Crescendi. Barbara Oursin begleitete am Cembalo. Der Unterstufenchor verriet gediegene Nachwuchsarbeit und erfreute mit den Gospels "Standing in the Need of Prayers", "Down by the Riverside" und "Revival" nach einer Bearbeitung von Barbara Oursin, die das Ensemble leitete.
Ein Teil der geistlichen Abendmusik, zu der Pfarrer Manacnuc Lichtenfeld die Künstlerinnen mit ökumenischer Herzlichkeit begrüßte, war den Quer- und Blockflöten sowie Violoncelli überlassen. Das vorzüglich harmonierende Blockflötenquintett Malaika Lichtenfeld, Stefanie Roider, Eva und Pia Roth sowie Eliane Zimmermann entzückte mit Canzon und Galliard des Engländers William Brade. Das Trio Nicole Zwiesler, Eva-Marilena Schmitt, Querflöte, und Katrin Penz, Cello, überzeugte mit dem Allegro moderato aus Joseph Haydns Londoner Trios. Das Querflötentrio Nicole Fleckenstein, Anne Schütz, Leonie Martin gab "Commodo" des gebürtigen Wiener Klassikers und späteren Wahlfranzosen Ignaz Pleyel in erfrischender, eleganter Art wieder.
Ein gut abgestimmtes Cellosextett bewies Spiellaune an drei Tänzen von Georg Friedrich Händel und Joseph Haydn. Die Königin der Instrumente war mit Carmen Hartlaub und Sybille Gatzka vertreten, die Johann Sebastian Bachs Präludium A- Dur und Dietrich Buxtehudes Präludium und Fuge g-Moll ansprechend an der Orgel absolvierten.

Wolfgang Tulaszewski
Main-Echo vom 24.07.2008 


    

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