Aschaffenburg. Das Leben und die Schulzeit haben eines gemeinsam: Beide sind zu kurz, als dass man sie immer nur bierernst nehmen sollte. So gesehen hat das Kabarett-Ensemble der Maria-Ward-Schule am Mittwochabend ins Schwarze getroffen. Die Mädchen - überwiegend besuchen sie die Mittelstufe - nahmen Häppchen aus Politik, Erziehung und Gesellschaft, bedienten sich bei Gerhard Polt, Otto Waalkes und anderen, servierten sie bissfest und nannten die Mischung »Al Dente«.
Doch sie spielen nicht nur nach, was komische Köpfe erdacht haben, sie bringen auch eine Prise eigenen Stil in den Kabarettstückchen unter. In Polts »Maßanzug« etwa, der im Herrenmodengeschäft spielt: Man meint, Leidersbacher Luft zu atmen, wenn Anna Franz als Mutter Wolf auf Spessartdeutsch dahersalbadert, während der Sohnemann den feinen Zwirn drei Nummern zu groß tragen soll.
Zünftiger wird es, wenn Antonia Fries als rührig-verschrobenes Urgestein Dimpfl den Stadtmenschen (Isabell Lehmann und Louisanne von Galen) den Besuch im Biergarten vermiest. Herrlich auch noch heute die Komik des Heinz Erhard in Schülermanier: Den G-Sketch geben Lena Pfister, Julika Schacht und Antonia Fries mit Charme, Liebe zum Detail und großer Gunst fürs G.
Es ist mehr als Kabarett, was die Schülerinnen zeigen: Zwischendurch spielen Victoria Reuter und Kim Frieß vierhändig Boogie am Klavier; sie wechseln sich mit Anja Kirchner ab, die unter anderem einen Walzer von Johannes Brahms mit viel Gefühl interpretiert. Dann wieder kommen Anna Hajek und Amelie Jakob als rassige Flamencotänzerinnen auf die Bühne und lassen sich von Stephie Kroth und Kristina Kuhn an der Gitarre begleiten.
Hack aus der Gegend?
Sie alle stehen unter der Regie von Musiklehrerin Cornelia Hamidi, die ihr Gespür für die mitreißende Kombination von Musik, Tanz und Spiel schon oft in den großen Musical-Produktionen der Maria-Ward-Schule bewiesen hat. Für »Al dente« hat sie eigens einen Song und einen Sketch geschrieben: Dass man am Untermain mal besser nicht auf Latein beim Metzger bestellt, dürfte den Zuschauern spätestens nach der Show klar geworden sein: »Hac in Regione« bedeutet nämlich längst nicht das gleiche wie »Hack aus der Gegend«.
Vor allem weiß Hamidi, wie man Talente aufbaut - und dass die Maria-Ward-Schule Talente hat, auf die sie bauen kann, zeigt »Al Dente« deutlich. Da ist zum Beispiel Gloria Aldenhoff, die gerade mal die achte Klasse besucht, aber schon Stimme und Präsenz einer Diva hat, wie sie mit Cole Porters »You do something to me« rauchig-verrucht zeigt.
Auch sonst gibt es auf der Bühne niemanden, der seinen Part lieblos herunterreißt, alle sind sie mit dem Herzen dabei. Sie spielen mit Witz, Charme und Leidenschaft: Eigenschaften, die die Schule wie das Leben doch gleich so viel erträglicher machen.
Moni Münch
Main-Echo vom 16.11.2007