Das Abitur der vielen kleinen Schritte
Reifeprüfung: 75 Maria-Ward-Absolventinnen feiern ihren Abschluss - "Von ausgetretenen Wegen abweichen"
Aschaffenburg "Ich bitte nicht um Wunder und Visionen, sondern um Kraft für den Alltag. Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte." Burkard Bauer, Rektor der Maria-Ward-Schule, hat bei der Abiturfeier den französischen Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry zitiert. In der Maintalhalle in Mainaschaff verlieh der Schulleiter den 75 Absolventinnen des Abschlussjahrgangs 2008 das Abitur, ein Zeugnis für den weiten Weg, den die jungen Frauen Stück für Stück hinter sich gebracht haben.
Einen knappen historischen Rückblick auf diesen Weg vermittelte der Elternbeiratsvorsitzende Michael Dehmel in seiner Rede.
Mit vielen kleinen Schritten - Unterrichtsstunden, Abfragen, Haus-, Stegreif- und Schulaufgaben, Facharbeit und schließlich den Abschlussprüfungen - hätten die Absolventinnen die lange Strecke zum Abitur zurückgelegt, so Schulleiter Bauer, und dabei bewiesen, dass sie Antoine de Saint-Exupérys "Kunst der kleinen Schritte" auch über ihre Schulzeit hinaus beherrschten.
Ich bitte nicht um Wunder und Visionen. Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte Schulleiter Bauer zitiert Antoine de Saint-Exupéry Einer dieser Schritte, so Bauer, seien die richtige Zeiteinteilung und die Fähigkeit, Notwendigkeiten zu erkennen und in die richtige Relation zu anderem zu setzen. Abitur- und zugleich Führerscheinprüfung erfolgreich abzulegen, sei kaum möglich, nannte der Schulleiter als Beispiel.
Der nächste kleine Schritt im Gedicht des französischen Schriftstellers ist das Träumen, das richtige Träumen. Falsche Träume seien rückwärts gewandt, meinte Bauer. Sie führten in eine Vergangenheit, die den Träumer weder für die Gegenwart noch für die Zukunft wappne. Träume seien jedoch unerlässlich, um die eigene Zukunft zu gestalten, weil sie Ziele, Wünsche und Ideale aufzeigten.
Mut, nein zu sagen Wahre Freunde, verwies Bauer auf Saint-Exupéry, seien der dritte kleine Schritt auf dem Weg zum Abitur. Sie nähmen den anderen, wie er ist, zeigten jedoch auch unverblümt eine vielleicht bittere Wahrheit.
Die Angst zu besiegen, das Leben zu versäumen, sei der vierte und letzte Schritt auf dem Weg zum Schulabschluss und darüber hinaus. "Versäume ich mein Leben, wenn ich nicht auf jedem Ball tanze ?", fragte Bauer und antwortete selbst: "Nein. Haben Sie den Mut, auch einmal nein zu sagen und gegen den Strom zu schwimmen."
Vielleicht sei das die schwierigste aller Künste: Auf dem Weg, der vor den Absolventinnen liegt - an der Universität oder im Beruf - mit kleinen Schritten, aber beständig voranzugehen und dabei von ausgetretenen Wegen abzuweichen. dj
Main-Echo vom 03.07.2008