» Schuljahre im Spiegel der Presse » Schuljahr 2006/2007 » Peer Gynt - Generalprobe    Thursday, March 11, 2010    Register    Login

  Search
 Peer Gynt - Generalprobe Minimize

Dem Männer-Ego auf der Spur

Maria-Ward-Schule singt, tanzt und spielt am Donnerstag und Freitag eine eigene Fassung von Ibsens »Peer Gynt«

Aschaffenburg. So hat es Henrik Ibsens »Peer Gynt« noch nicht gegeben: Zurück zur Originalfassung des modernen Klassikers bewegen sich die Maria-Ward-Schülerinnen, wenn sie dem Drama die Musik von Edvard Grieg beisteuern - etwas Neues probieren sie, wenn sie die Handlung gleichzeitig vertanzen. Ihre ureigene »Peer Gynt«-Version zeigen sie am Donnerstag und Freitag, 12. und 13. Juli, ab 19.30 Uhr im Stadttheater.

Es brennt an allen Enden, in der Maria-Ward-Schule (MWS) hat die heiße Phase der Proben begonnen. Gerade erst haben die Schülerinnen in Hammelburg eine Woche lang geübt - gefeilt wird am Stück bis zur Premierenvorstellung.

Das Ziel ist hoch gesteckt, die Maria-Ward Schule will einen »Peer Gynt« zeigen, bei dem alle ihre Talente einbringen können: Das Orchester geigt, der Chor singt, die Tanzwerkstatt-Gruppe unter Leitung von Wiltrud Horvacki tanzt und die Hauptrollen müssen sich auch schauspielerisch einbringen, damit die vielschichtige Handlung verdeutlicht wird.

Zurück zum Original

Dabei war alles anders geplant. Ursprünglich sollte das Orchester die Peer-Gynt-Suiten von Edvard Grieg spielen, die Aktiven der Tanzwerkstattdazu tanzen. Doch als Orchesterleiterin Annette Schupp sich tiefer in die Materialien grub, Bücher wälzte und Orchesterliteratur suchte, fand sie einen Hinweis: Die heute bekannten Peer-Gynt-Suiten sind nur eine nachträgliche Bearbeitung.

Ursprünglich hatte Grieg die Musik als Begleitmusik zu Ibsens Theaterstück geschrieben; im Original war ein Chor vorgesehen. Diese erste Fassung, die Ibsen und Grieg zu ihrer Zeit bald zu den Akten legten, weil das Publikum nicht begeistert war - diese Fassung sollte in die Maria-Ward-Version des »Peer Gynt« einfließen: Schupp arrangierte die Orchesternoten neu, der Chor fing an zu proben. Einige Stücke aus dem skandinavischen Raum hat Chorleiterin Renate Binschek neu dazu genommen, »um den skandinavischen Charakter der Aufführung zu stärken«, wie sie sagt.

»Wir mussten das entschlacken«

Während auf musikalischer Ebene immer neue Finessen erdacht wurden, hatte Regisseur Thomas Gommert ganz andere Probleme. Denn Ibsens Original-»Peer Gynt« ist vor allem eines: Verwirrend. Und außerdem gute drei Stunden lang; Henrik Ibsen hat sein dramatisches Gedicht mit Episoden angefüllt. »Wir mussten das entschlacken«, erinnert sich Gommert, der den Text in Kleinarbeit gekürzt und umgeschrieben hat.

Im Mittelpunkt der Handlung steht nach wie vor der junge Bauernsohn Peer Gynt, der mit Lügengeschichten versucht, die Realität hinter sich zu lassen. Sein Weg ist gesäumt von absonderlichen Begegnungen: Er gerät in die Welt der Trolle, verliebt sich, soll König werden, flüchtet, wird reich, dann schiffbrüchig, gläubig und am Ende reuevoll.

Im Fokus: Peer und die Frauen

Doch so viel Aufruhr um ein männliches Ego macht die Maria-Ward-Schule nicht mit. Gommerts Fassung löst sich von der Hauptfigur und lenkt den Fokus auf Peers Verhältnis zu den Frauen in seinem Leben: seine Mutter Aase (Anna-Sophie Roth), die Tochter des Unterweltbosses (Anand Krishna) Greena (Angela Timpe), Anitra (Wanda Ziembinski), Ingrid (Rebecca Kohnen) und Solvejg (Amelie Jakob).

Weil die Entschlackungskur gelungen ist, nennt die Theatertruppe ihr Stück jetzt lieber »Wurzel aus Peer Gynt«. Denn am Ende kommt Prahlhans Peer (Thomas Christof) doch wieder bei sich selbst an. Aber ob er damit auch bei Solvejg landen kann?

Moni Münch
Main-Echo vom 10.07.2007


    

Copyright (c) 2010 Maria-Ward-Schule   Terms Of Use  Privacy Statement