»Lernt Fremdsprachen!«
Margarete Hofmann besucht ihre ehemalige Schule
Aschaffenburg. Manchmal kann Europa ganz nah sein und ganz persönlich: Ob ihr die vielen Umzüge im Laufe ihrer Karriere schwer gefallen seien, will Maria-Ward-Schülerin Nadja Bischof (18) von der EU-Beamtin Margarete Hofmann wissen. Diese verneint. Das Neue habe sie schon immer gereizt, sagt die Juristin beim Besuch ihrer ehemaligen Schule.
Margarete Hofmann, Referatsleiterin der Brüsseler Betrugsbekämpfungsbehörde »Olaf« (Office Européen de Lutte Anti-Faude), ist einer der EU-Vertreter, die gestern anlässlich des Projekttags zum Jubiläum der Römischen Verträge ihren ehemaligen Schulen einen Besuch abstatteten (siehe: Werben für Europa).
Die 1956 geborene, in der Brennofengasse aufgewachsene Aschaffenburgerin hatte 1975 an der Maria-Ward-Schule ihr Abitur abgelegt. Die Rückkehr an ihre alte Schule war für die einstige Schülersprecherin auch eine Zeitreise: An das Treppenhaus aus den 60-er Jahren und das Foyer könne sie sich noch erinnern, selbst einige Lehrerinnen von damals unterrichten noch an der Schule. »Der Gong ist neu«, bemerkte sie sofort. Auch den neuen Anbau jenseits des Pausenhofs kannte sie noch nicht.
Sozialkundelehrerin Sieglinde Bauer hatte anlässlich des Projekttags den Schulraum mit Europa-Utensilien dekoriert: Ein Tuch mit den Flaggen der europäischen Mitgliedstaaten, ein EU-Transparent und eine Pinnwand mit Zeitungsartikeln und Schüler-Collagen schmückten den Mehrzweckraum im vierten Stock der Schule.
Die Schülerinnen zeigten sich vorbereitet. »Der Fall des eisernen Vorhangs hat die EU-Erweiterung erst ermöglicht«, wusste Anna Gründer (18). Ihre Klassenkameradin Julia Binder (18) hatte zur Vorbereitung die Europa-Doppelseite in der Samstagsausgabe unserer Zeitung studiert, Nadja Bischof hatte noch einmal ihre Europa-Unterlagen vom vergangenen Schuljahr hervorgeholt.
Angesichts der gut informierten Schülerinnen fielen Hofmanns Anmerkungen zum Aufbau und zur Arbeit der EU-Institutionen knapp aus. Interessierter waren die jungen Frauen am Lebenslauf der prominenten Besucherin. Nach dem Jura-Studium in Würzburg und Paris war die Aschaffenburgerin über die Stationen Bonn und Berlin Ende der 90-er Jahre zur EU-Kommission nach Brüssel gekommen. Zunächst lernte sie im Kabinett der EU-Kommissarin Michaele Schreyer die politische Seite der Europa-Arbeit kennen. Dort habe sie das stete Ringen der Politiker um den »bestmöglichen Kompromiss« selbst miterlebt. Keine leichte Aufgabe bei mittlerweile 27 Mitgliedstaaten. Vor zwei Jahren übernahm sie ein Referat beim EU-Betrugsbekämpfungsamt »Olaf«.
Der Schlüssel für ihren Werdegang seien die Sprachen gewesen, sagt die Europa-Beamtin. Für besonders prägend hält sie einen viermonatigen Aufenthalt in Paris nach dem Abitur, den ihr noch die Schule vermittelt hatte. Neben Englisch und Französisch, den unverzichtbaren Amtssprachen in den EU-Behörden - spricht Hofmann Spanisch und Niederländisch. »Lernt Fremdsprachen«, empfahl sei den Schülerinnen.
Schülerin Nadja Bischof zeigte sich nach dem Gespräch mit dem Gast zufrieden: »Ich fand es gut, dass es so persönlich war.«
Ab
Main-Echo vom 27.03.2007