Maria-Ward-Schule feiert die Stiftung
Festakt zum Trägerwechsel
"Schwestern stehen für humanistische und christliche Bildung in Aschaffenburg"
Aschaffenburg "Stellen Sie sich vor, es ist der 15. September 2009 und diese Schule bleibt geschlossen", ein düsteres Szenario zeichnete Domkapitular Günter Putz beim Festakt zum Trägerschaftswechsel der Maria-Ward-Schule Aschaffenburg am Freitag. Dank der Neuorientierung wird es nicht Wirklichkeit werden.
Aschaffenburger Prominenz ist angetreten in der Turnhalle der Maria-Ward-Schule. Oberin Schwester Deborah Fürstberger (am Rednerpult) hat zur Feier anlässlich des Übergangs der Schule aus der Trägerschaft Congregatio Jesu in die Maria-Ward-Stiftung Aschaffenburg geladen. Stefan Gregor
Drastisch führte der Geistliche den zahlreichen Gästen aus Politik, Lehrerkollegium und Elternschaft vor Augen, welche Bedeutung es für die Schule hat, dass nicht mehr länger die Congregatio Jesu (CJ, wie der Orden der Maria Ward Schwestern seit 2004 heißt), die Trägerschaft für die Schule hat, sondern die neugegründete Maria-Ward-Stiftung. Schwester Elfriede Frasch, Vorsitzende des Stiftungsvorstandes, hatte zuvor die Entwicklung der Schule detailliert dargelegt. Sie erinnerte sich an die Einweihung des Neubaus im Jahr 2000. "Wir waren stolz aber auch sorgenvoll", schaute sie zurück.
Die Zahl der Schwestern schrumpfte, alle waren älter geworden, es gab keine Aussicht auf Nachwuchs. "Wer sollte das alles weiterführen?", so die Überlegung damals. Bereits an diesem Tag kam der Gedanke an eine eigene Stiftung auf. Am 6. Januar 2002 wurde die Maria-Ward-Stiftung mit Sitz in Aschaffenburg gegründet.
Es gingen sechs Jahre ins Land, bis die neu geschaffene Institution finanziell so stark war, dass die bischöfliche Aufsichtsbehörde dem Orden die Erlaubnis gab, die Trägerschaft abzugeben. Am ersten Januar dieses Jahres war es so weit. Schwester Elfriede betonte, dass es für die Schwestern nicht darum ging sich einer schweren Bürde zu entledigen. "Wir lassen eine Herzensangelegenheit los", zeigte sie die emotionale Seite der Übergabe.
"Bereits seit 1748 stehen die Maria-Ward-Schwestern in Aschaffenburg für humanistische und christliche Bildung", verwies Oberbürgermeister Klaus Herzog auf die langjährige Tradition. Landrat Dr. Reuter ergänzte: "Es geht gerade um diese Schule und darum, die Ideale ihrer Gründerin zu bewahren und zu vermitteln." Vor dem Trägerwechsel hätten eben nicht nur notwendige Schulplätze und Arbeitsplätze auf dem Spiel gestanden. Nachdem zuvor schon Bitten um zukünftige freigebige Unterstützungen an private Spender und Gebietskörperschaften gerichtet worden waren, wandte sich Reuter seinerseits mahnend an die Vertreter der Geistlichkeit. "Der eine oder andere kirchliche Euro ist in Bildung besser angelegt als in manch anderen Dingen", schloss er sein Grußwort.
"Die Schwestern nehmen Abschied von ihrem Lebenswerk", würdigte Elisabeth Graser-Ullrich, die für die Mitarbeiter sprach. Leben bedeutet Veränderung betonte sie und verwies darauf, dass sich der Wechsel nach außen nahezu unbemerkt vollzogen habe. Die Aschaffenburger Maria-Ward-Schule ist eine der letzten Einrichtungen, die diesen Weg beschritten hat. Stimmungsvoll umrahmten das Orchester und verschiedene Chöre die Feierstunde.
Ursula Krah-Will
Main-Echo vom 08.03.2008