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Weil dem Orden der Nachwuchs fehlt

Maria-Ward-Schule hat neuen Träger: Maria-Ward-Stiftung - 1,7 Millionen Euro Stiftungskapital

Aschaffenburg. Fünf Jahre hat es gedauert, bis die finanzielle Basis fest genug war: Über ein Stiftungskapital von 1,7 Millionen Euro verfügt jetzt der neue Träger der Aschaffenburger Maria-Ward-Schule, die so genannte Maria-Ward-Stiftung.

Seit 1. Januar sind deren Gremien  verantwortlich für die staatlich anerkannte katholische Mädchen-Privatschule und nicht mehr, wie bislang, der Mutterorden, die Congregatio Jesu (CJ).

Als Grund für den Wechsel nannte Schwester Elfriede Frasch CJ, die Vorsitzende des Stiftungsvorstands, die rapide sinkende Zahl von Ordensschwestern. Vor 30 Jahren seien fast alle der über 40 Maria-Ward-Schwestern (der Orden wurde erst 2004 umbenannt in Congregatio Jesu) in Aschaffenburg im Schuldienst tätig gewesen. Heute wohnen noch acht Schwestern im Schul- und Ordensgebäude am Brentanoplatz und nur noch zwei von ihnen unterrichten - obwohl sie schon im Pensionsalter sind. »Die Möglichkeit der Schließung stand im Raum«, sagte Frasch gestern bei der Vorstellung der Stiftung. Seit über 250 Jahren wirken die »Englischen Fräulein«, wie der von der Engländerin Mary Ward gegründete Frauenorden auch genannt wird, in Aschaffenburg. Der Mainzer Kurfürst und Erzbischof Johann Friedrich Carl von Ostein hatte 1747 den Zustand der Aschaffenburger Schulen beklagt, und ein Jahr später bot das Mutterhaus in München-Nymphenburg Hilfe an. Zunächst wurde in der Dalbergstraße unterrichtet, zwei Jahre später bereits in einem größeren Gebäude in der Webergasse 5, im späteren »Brentanohaus«.

Kirchliche Stiftung seit 2002

Doch auch dort war es bald zu eng, und die Schule bezog das Haus in der Strickergasse 1, am heutigen Marktplatz, wo sie fast 200 Jahre blieb, aufgestockt, umgebaut und durch Zukäufe erweitert. Bayernkönig Max I. übertrug nach der Säkularisierung 1819 den Englischen Fräulein den öffentlichen Unterricht für die gesamte weibliche Jugend der Stadt. Während der Hitler-Diktatur wurde den Schwestern ab 1937 die Lehrbefugnis nach und nach entzogen, bis im April 1941 ihr Unterricht völlig zum Erliegen kam. Die Schulgebäude am Marktplatz fielen den Boben im Zweiten Weltkrieg zum Opfer.

Nach einer Reihe von Provisorien nach Kriegsende wurde 1959 das heutige Gebäude am Brentanoplatz gebaut. Nach zahlreichen Erweiterungen bietet es heute Platz für 1200 Schülerinnen. Bereits im Januar 2002 wurde die Maria-Ward-Stiftung ins Leben gerufen, eine kirchliche Stiftung des öffentlichen Rechts, die der Rechtsaufsicht des Bischofs in Würzburg untersteht. Denn es zeichnete sich ein Ausbleiben des Ordensnachwuchses ab.

Die Diözese Würzburg leistete eine Anschubfinanzierung, aufgestockt durch mehrere Nachfolgebeiträge, zum Stiftungskapital. Dieses konnte dank Spenden von Betrieben und Privatleuten - viele Ehemalige der Schule waren darunter - kontinuierlich aufgestockt werden, bis Bischof Friedhelm Hofmann zum Jahreswechsel grünes Licht gab für die Schulträgerschaft.

Das Personal der Aschaffenburger Maria-Ward-Schule wird wie das einer jeden staatlich anerkannten Privatschule zu 90 Prozent aus der öffentlichen Hand finanziert. Ein Zehntel des Schuletats von insgesamt 6,5 Millionen Euro jährlich, also 650 000 Euro, muss künftig nun die Stiftung aufbringen. Das Schulgeld ist mit 30 Euro monatlich für das erste Kind und 15 Euro für das zweite (alle weiteren Kinder einer Familie sind kostenfrei) »moderat«, wie das Stiftungsratsmitglied Hermann Leeb meinte.

Die Stadt Aschaffenburg hat sich für die nächsten zehn Jahre freiwillig zu einem jährlichen Betriebskostenzuschuss von 74 000 Euro verpflichtet, der Landkreis Aschaffenburg zahlt bis auf weiteres maximal 150 Euro pro Schülerin und Jahr, der Kreis Miltenberg 110 Euro. Trotzdem: Die Englischen Fräulein werden weiterhin auf Spenden angewiesen sein, wenn sie mit ihrer Schule Präsenz vor Ort zeigen wollen. Für Stiftungsratsmitglied Helmut Haun ist das ein unverzichtbares Stück Aschaffenburg, das erhalten werden müsse, wie er gestern sagte.

Auch in Würzburg möchte sich die Stiftung sobald wie möglich einbringen, kündigte die Vorstandsvorsitzende an: als Träger der dortigen Maria-Ward-Realschule und des Kindergartens.

Melanie Pollinger
Main-Echo vom 18.01.2008


    

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Ein Anwalt, zwei Banker

Die Stiftungsgremien der Maria-Ward-Schule

Aschaffenburg. Ein Rechtsanwalt und zwei Banker sitzen im Stiftungsrat der Maria-Ward-Stiftung, die jetzt der neue Träger der Aschaffenburger Maria-Ward-Schule ist. »Was kann uns da noch passieren?«, meinte Schwester Elfriede Frasch von der Congregatio Jesu (CJ), in der gestrigen Pressekonferenz.

In der Maria-Ward-Schule stellten sich die Mitglieder der beiden Gremien vor, in denen künftig über die Geschicke der staatlich anerkannten katholischen Privatschule für Mädchen entschieden wird (siehe auch: Schulsteckbrief).

Die Vorsitzende des Stiftungsvorstands ist Elfriede Frasch. Weitere Mitglieder sind Helmut Haun, der Vorstandsvorsitzende der Raiffeisenbank Aschaffenburg, und Peter Schreiner, Realschuldirektor der Maria-Ward-Realschule Würzburg.

Vorsitzende des zweiten Gremiums, des Stiftungsrats, ist Schwester Carmen Irrgang (CJ) aus Nürnberg, die delegierte Vertreterin der Provinzoberin der Mitteleuropäischen Provinz in München.

Zum Stiftungsrat gehören außerdem Hans-Dieter Greulich, Direktor der Liga-Bank Würzburg, Rechtsanwalt Hermann Leeb, der frühere bayerische Justizminister, aus Aschaffenburg, Domkapitular Günter Putz aus Würzburg und die Ärztin Dr. Gudrun Ströer aus Obernburg, ehemalige Schülerin und Mutter zweier Abiturientinnen der Schule.

Geschäftsführer der Stiftung ist Wolfgang Ziemlich aus Aschaffenburg. Die Gremien treffen sich regelmäßig, mindestens jedoch alle zwei Monate, zur Beratung.

Mel
Main-Echo vom
18.01.2008


    

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