Katholische Werte sind verbindlich
Weil der Ordensnachwuchs ausbleibt, hat eine Stiftung die Trägerschaft der privaten Maria-Ward-Schule übernommen. Stadt Aschaffenburg und die Kreise Aschaffenburg und Miltenberg unterstützen sie.
as. ASCHAFFENBURG. Seit 260 Jahren gibt es die Maria-Ward-Schule (früher "Englische Fräulein") in Aschaffenburg. Generationen von Schülerinnen haben die Atmosphäre an der katholischen Privatschule geschätzt. Doch weil der Ordensnachwuchs ausbleibt, drohte der Einrichtung das Aus. Nur noch drei Schwestern unterrichten an der Schule, und auch sie sind im Pensionsalter. In ganz Deutschland gehören dem Orden 38 Schwestern an.
Um eine Schließung der traditionsreichen Schule zu vermeiden, wurde 2002 eine kirchliche Stiftung zur Erhaltung der Bildungs-, Unterrichts- und Erziehungseinrichtungen der Maria-Ward-Schwestern im Bistum Würzburg errichtet, die die Diözese mit einer Anschubfinanzierung von 450 000 Euro und das Institut der "Englischen Fräulein" mit 50 000 Euro ausstatteten. Durch Spenden konnte das Stiftungskapital auf 1,7 Millionen Euro erhöht werden. Diese Summe ermöglichte einen Wechsel in der Trägerschaft. Nach 260 Jahren in der Verantwortung der "Congregatio Jesu" sind Gymnasium und Realschule samt Grundbesitz und Gebäuden zum Jahresbeginn in die Trägerschaft der Maria-Ward-Stiftung mit Sitz in Aschaffenburg übergegangen.
Die Vorsitzende des Stiftungsvorstands, Schwester Elfriede Frasch, sprach gestern von einem "einschneidenden Ereignis". Sie dankte der Stadt und den Landkreisen Aschaffenburg und Miltenberg, die sich verpflichtet hätten, die Schule finanziell zu unterstützen. In Aschaffenburg besuchen 720 Schülerinnen das Gymnasium und 480 die Realschule der früher auch "Englische Fräulein" genannten Ordensschwestern.
Der Name geht zurück auf die englische Ordensgründerin Mary Ward, die von 1585 bis 1645 gelebt hatte. Die Schwesterngemeinschaft hatte es sich zum Ziel gemacht, jungen Mädchen neben Lesen, Schreiben, Rechnen auch christliche Werte zu vermitteln. Auch unter dem neuen Träger sollen die Mädchen zu "Selbstbestimmung, verantwortlichem Handeln und zum Engagement in Familie ' Kirche und Staat" qualifiziert werden. Für den Unterricht sind die von der katholischen Kirche vermittelten Glaubens- und Wertvorstellungen verbindliche Grundlagen.
Zur Gründung der Maria-Ward-Schule war es 1748 gekommen, nachdem der Mainzer Kurfürst und Erzbischof Johann Friedrich Carl von Ostein den Zustand der Schulen in Aschaffenburg beklagt hatte. Daraufhin bot sich das Mutterhaus des Instituts der Englischen Fräulein in München an, "weibliche Jugend“ zu unterrichten. Der Rat der Stadt Aschaffenburg stellte Räume in einem Hans an der Dalbergstraße zur Verfügung. Die Schule war so erfolgreich, dass sie 1750 in ein größeres Haus, das spätere Brentanohaus (Webergasse 5), umziehen musste. Nach 14 Jahren wurde es auch dort zu eng und 1764 das Haus Strickergasse 1 bezogen. An diesem Standort blieb die Schule fast 200 Jahre lang.
Nach der Säkularisation wurde dem Institut der öffentliche Unterricht für die gesamte weibliche Jugend der Stadt übertragen. Die wachsende Schülerzahl ermöglichte Filialgründungen unter anderem in Damm, Großostheim, Würzburg und St. Ingbert/Rheinpfalz. Zwischen 1894 und 1925 kamen Bad Homburg und Kleinostheim sowie die Haushaltungsschule in Obernau hinzu. Unter der Hitler-Diktatur wurde den Schwestern nach und nach die Lehrbefugnis entzogen, bis im April 1941 sämtlicher Unterricht endete.
Im Zweiten Weltkrieg wurden die Schulgebäude an der Strickergasse weitgehend zerstört. Auf Wunsch des damaligen Oberbürgermeisters Jean Stock (SPD) richteten die Schwestern nach Kriegsende die Schule provisorisch wieder her, so dass im Dezember 1945 der Unterricht an der Mädchenoberschule mit 345 Schülerinnen wieder aufgenommen wurde. 85 Schülerinnen besuchten die Mittelschule an der Obernauer Straße. 1959 wurde mit dem Bau eines neuen Schulhauses am Brentanoplatz begonnen, das damals für 700 Schülerinnen geplant war. Im Jahr 2000 konnte der fast 16 Millionen Euro teure Anbau der Maria-Ward-Schule eröffnet werden, mit dem die jahrelange Raumnot ein Ende fand. Die Stadt, Aschaffenburg wie auch die beiden Landkreise haben zugesichert, die Privatschule weiter finanziell zu unterstützen.
Aus: FAZ - Rhein-Main vom 18.01.2008 Seite 63