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 Claus von Wagner spielt an der MWS Minimize

Gags lauern im Nebensatz

Maria-Ward-Stiftung lädt Claus von Wagner ein

Aschaffenburg. »Stoiber hat 300 Kabarettisten in Bayern ernährt«, stellt Claus von Wagner, selbst Kabarettist, am Dienstag in der Maria-Ward-Schule fest. Die Stiftung der Schule hatte zu einem Benefiz-Abend eingeladen, mit von Wagner als Programm Der 29-Jährige erzählt mit seinem politischen Kabarett in den ersten Minuten von den finanziellen Einbußen für Kabarettisten nach dem Rücktritt Stoibers. Ganz ohne Dialekt kommt der Münchner daher, was ihm bei bayrischem Publikum auch mal Schwierigkeiten bereitet.

In seiner Ein-Mann-Show verlässt er den bayrischen Boden nicht. Sein Programm »Im Feld« spielt auf dem Münchner Gärtnerplatz. Die Rahmenhandlung ist einfach, aber verzwickt: Seine längst von ihm getrennte Freundin Penthesilea ist von ihm schwanger, er will das Kind nicht. Sie besetzt seine Wohnung, er lebt auf dem Gärtnerplatz, beobachtet mit einem Feldstecher seine Wohnung, sitzt im Campingstuhl, neben ihm ein kleines Zelt. Hinter ihm hängen auf einer Wäscheleine Teile eines Briefes an Penthesilea. Erklärungen, warum er nicht Vater werden kann. Jeden Satz erarbeitet er in seinem Programm, die Zuschauer leiden und lachen mit. Ausgiebig stellt der die Probleme der »Generation Praktikum« dar. »Wo soll man denn Kinder machen außer im ICE?«, fragt er verständnislos, wenn man doch in München geboren ist, in Frankfurt studiert und in fünf anderen Städten Praktika macht und eine Fernbeziehung in drei weiteren Städten habe. Aber natürlich versteht er, dass Kinder her müssten. Nur wie? »Alle zwei Wochen Weihnachtsfeiern mit Alkoholzwang oder Vortragsreihen mit Boris Becker« - Vorschläge, die sein Publikum zum herzlichen Lachen, ihn aber in seinem inneren Konflikt über seine Vaterschaft nicht weiter bringen.

Er lästert über den Konsum und das Problem, dass man gegen gar nichts mehr sein könne. Denn Konzerne schaffen für jede Protestwelle ein neues Produkt, Witzbücher zu Bush liegen schnell in den Läden. Protest sei schwieriger geworden. Man könne nicht mehr »Atomkraft, nein danke« auf Schilder schreiben, heute sind es ganz lange Sätze, denn man wisse zu viel über Probleme und wolle nicht zu radikal sein. Seine Gags werden nie vorhersehbar, oft lauert der Lacher im nachgeschobenen Nebensatz. Egal ob es um »sozialdemokratischen Umweltterrorismus« geht oder die Überwachung der Bürger am Papierspendeautomaten auf der Autobahntoilette: von Wagner zieht fast hemmungslos vom Leder, lästert über den Zeitgeist wie die »Lyric to go« der Großstädter an oder über die »Lounges«, die eh nur schlecht beleuchtete Gaststätten seien - obwohl er selber dort hingeht.

Gleichzeitig zu den Monologen über die Gesellschaft spitzt sich die Situation auf dem von ihm bewohnten Gärtnerplatz zu. Er weigert sich, seine Zelte abzubrechen, plötzlich steht die Polizei da und hat einen Wasserwerfer dabei. Dann folgen Anrufe und Interviewwünsche von seinem alten Arbeitgeber, einem Münchner Privatradio, das ihn als Festen Freien rauswarf. (»Ein Großraumbüro mit lauter Hektikern, die aber nichts schaffen.«) Sein Handy klingelt weiter: erst ist es der Innenminister und dann die Bundeskanzlerin. Wagner läuft während den Telefonaten zur Hochform auf: Er lässt die großen Pointen seines Programms Revue passieren, sein Publikum ist der Verbündete, der jeden Gag versteht. Und wenn es am schönsten ist, sollte man aufhören: Auf Knien vor den versteckten Scharfschützen, kurz vor der endgültigen Entscheidung und dem erlösenden Gespräch mit Penthesilea, geht das Licht aus.

Rebecca Beerheide
Main-Echo
Erscheinungsdatum: 25.01.2007


    

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Das Stichwort
Maria-Ward-Stiftung

Aschaffenburg. Die Maria-Ward-Stiftung wurde als kirchliche Stiftung öffentlichen Rechts im September 2002 gegründet. Als Förderstiftung unterstützt sie die Bildungsziele der Schule.

Den privaten Schulen in Bayern werden etwa 90 Prozent der Kosten (auch die Lehrergehälter) vom Staat erstattet, den Rest zahlt der Träger. Da die Differenz nicht mehr nur über den Orden ausgeglichen werden kann, nimmt die Schule seit einigen Jahren Gebühren, auch die drei Kommunen, Stadt und Kreis Aschaffenburg sowie der Landkreis Miltenberg unterstützen die Schwestern.

Die Stiftung beteiligt sich auch an den Kosten für den laufenden Betrieb und die Finanzierung der neuen Cafeteria für die Schule. Auf lange Sicht wird die Stiftung die Trägerschaft der Schule übernehmen, wenn die Schwestern nicht mehr in der Lage sind, die Schule in eigener Trägerschaft zu betreiben. Die Stiftung sammelt daher Spenden und veranstaltet Benefiz-Abende, deren Reinerlös an die Stiftung gehen. Vorsitzende des Stiftungsvorstandes ist M. Elfriede Frasch CJ.

An der Maria-Ward-Schule sind der zeit etwa [1210] Schülerinnen, [740] davon am Gymnasium und [470] an der Realschule.

rb
Main-Echo
Erscheinungsdatum: 25.01.2007


    

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