Sonntag, Mai 19, 2013

Aufenthalt in Varese bei Mailand / Italien September 2010 bis Juli 2011

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Name   Marie Nebel
Klasse 10b
Aufenthalt Italien    Varese bei Mailand / Italien
von September 2010   bis Juli 2011
 
Was heißt eigentlich Austausch?
 
„Austausch heißt Auseinandersetzung. Es heißt eine neue Sprache zu lernen und eine fremde Kultur anzunehmen. Austausch heißt in einem anderen Land zu leben, ohne die Heimat zu vergessen. Austausch heißt herauszufinden, was 'deutsch sein' wirklich ist, indem man sieht wie sich der Rest der Welt unterscheidet.
Austausch heißt Freundschaft, Akzeptanz, Toleranz und Liebe. Austausch heißt neue Freunde zu finden, aber alte nicht zu vergessen. Austausch heißt mit Eigenheiten anderer zu leben ohne eigene Ansprüche aufgeben zu müssen. Austausch heißt zu lernen, dass die Liebe der Familie den Landesgrenzen trotzt.
 
Austausch heißt, dass man erfolgreich sein kann, aber auch dass man mal zurückstecken muss. Austausch heißt lernen stolz auf sich zu sein, auch wenn andere auf dem Siegertreppchen stehen. Austausch ist lernen, dass man auch mal alleine sein kann, ohne sich einsam zu fühlen. Austausch ist lernen, dass Einsamkeit auch in einer Gruppe nicht besser wird. Austausch ist lernen, dass Menschen Individualisten sind, nicht nur eine Masse. Austausch ist lernen, dass nicht jeder dein Freund ist, aber jeder es sein könnte. Austausch ist lernen, dass Freundschaft Balance ist.
 
Austausch ist lernen, wer du wirklich bist. Austausch heißt, eigene Werte zu formen. Austausch heißt, Grenzen und Fähigkeiten kennen zu lernen. Austausch heißt, sich selber einzuschätzen, aber nicht zu überschätzen. Austausch ist lernen, auf eigenen Füßen zu stehen. Austausch heißt, dass Willkommen so schmerzhaft wie Auf Wiedersehen sein kann. Austausch ist ein Auf und Ab der Gefühle. Austausch ist lernen, in der Dunkelheit nicht die Übersicht zu verlieren. Austausch heißt, zu sich zu stehen. Austausch ist die Möglichkeit neu anzufangen.
 
Austausch heißt, sich mit dem Leben auseinanderzusetzen.“
AFS Newsletter Weihnachten 2010 – Schülerin Jahresprogramm
  
Als ich diesen Text zum ersten Mal gelesen habe, ist er mir sehr zu Herzen gegangen. Ich hätte nicht gedacht, dass jemand die Gefühle, die ich in meinen 10 Monaten in Italien erlebt habe, so genau in Worte fassen könnte..
In Italien habe ich oft zu hören bekommen: „Nein, ein Jahr, das wäre mir zu lang.. Und dann noch die Schule!!“ Dabei ist ein Jahr genau richtig. Man lernt, eine neue Sprache fließend zu sprechen, nach und nach versteht man immer besser, warum andere Menschen andere Gewohnheiten haben und lernt auch, sich ihnen anzupassen. Italiener, zum Beispiel, trinken mindestens 4 mal am Tag Kaffee und zum Frühstück gibt es allerhöchstens 3 Kekse. Am Anfang war das noch total ungewohnt für mich und jetzt, wo ich wieder in Deutschland bin, hab ich das beibehalten.
Noch etwas für mich Neues war 6 Tage die Woche in die Schule zu gehen, dafür ohne Nachmittagsunterricht, allerdings aber auch ohne richtiges Wochenende. Von 8 Uhr bis 13 Uhr, 5 Schulstunden, eine Schulstunde 60 Minuten und nach der 3. Stunde eine 10-minütige Pause, das war gewöhnungsbedürftig!
Freunde finden war für mich eigentlich auch nicht sehr schwer. Da gab es ja genug Treffen von AFS, der Austauschorganisation, mit den 7 anderen Mädchen aus meiner Stadt Varese, eine Stunde mit dem Zug von Mailand. Auch auf den vielen Tagesausflügen, Camps und Austauschwochen, wo ich ein bisschen in Italien herumgekommen bin, gab es immer jemanden Neues zum Kennen lernen und ich kann sagen, dass ich wirklich auf der ganzen Welt Freunde habe. Ich habe Leute getroffen aus Grönland, Guatemala, Russland, Brasilien, aus Japan, Kanada, Indien, Finnland, Afrika, überall und es ist ein super Gefühl.
 
Ich dachte auch, ich hätte in Italien gar nicht so viel gesehen, ich habe Rom nicht besichtigt und unterhalb Roms war ich erst recht nicht, dabei sind sogar die kleineren italienischen Städte unglaublich schön! In der Nähe von Mailand liegen ja schließlich Städte wie Cremona, die Stadt der Geigenbauer, Turin, Verona und Venedig (übrigens definitiv meine Lieblingsstadt bis jetzt!!) und als ich für 9 Tage in der Toskana war, habe ich den schiefen Turm von Pisa und die Ponte Vecchio di Firenze gesehen. Also war es ja doch nicht so wenig!
Müsste ich mich noch mal für ein Auslandsjahr entscheiden, würde ich sofort wieder Italien aussuchen, aber das reicht mir jetzt nicht mehr. Ich möchte alles sehen. In 10 Tagen um die Welt, so würde mir das passen! Es ist wirklich eine Erfahrung, die ich nur allen raten kann, die einfach unvergesslich ist und mein Leben verändert hat.
Die italienischen 'Volunteers' von AFS meinten oft: „Siete diventati cittadini del mondo!“ (In etwa: Ihr seid jetzt Weltbürger..) Und das ist auch wahr.
Es ist einfach etwas völlig Neues, man fängt an, die Welt mit anderen Augen zu sehen und zu verstehen.
 
 
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