Der Spessart als Rentnerparadies
ASCHAFFENBURG. Raus aus der Schule, rein in den Spessart: Ein Dreivierteljahr haben sich 120 Schülerinnen der Aschaffenburger Maria-Ward-Realschule unter der Leitung von Lehrerin Anne Lüft mit dem Mittelgebirge als Freizeitregion für Senioren beschäftigt. Nun stellen sie das Ergebnis ihrer Arbeit dem Lohrer Spessartmuseum und dem Verein Naturpark Spessart mit Sitz in Gemünden zur Verfügung. Kernstück sind die Kurzfilme der Klasse VII C »Der Spessart – eine Urlaubsregion? «, »So ist es«, »So soll es sein« und »Das Klosterhotel am Brentanoplatz – ein zukunftsweisendes Hotelkonzept für den Spessart«, aufgenommen von Miriam Christ. Die Klasse hat auch das Theaterstück »MWS im Jahre 2030« geschrieben, das kürzlich zusammen mit den weiteren Arbeitsergebnissen unter dem Titel »Dialog der Generationen« 350 geladenen Gästen in der Schulturnhalle aufgeführt wurde. Von den Klassen VI C und VII A stammt die Ausstellung »Spessart-Senioren «, die noch bis zu den Osterferien montags bis freitags von 8 bis 17 Uhr in der hinteren Aula der Schule zu besichtigen ist. Wer die Schau sehen möchte meldet sich an der Pforte.
Tipps für Touristenmanager Aus der Arbeit der IX B zum Thema »Senioren machen Schule« gingen Anregungen für generationenübergreifende Workshops hervor, in denen ältere Menschen Jugendliche von ihren Erfahrungen profitieren lassen, zum Beispiel in den Bereichen Jagd, Schneidern, Imkerei, Krippenbau oder Kochen regionaltypischer Speisen. Die Klasse entwarf auch Flyer für Workshops und überreichte sie bei einem Besuch in Gemünden dem Geschäftsführer von Naturpark Spessart, Oliver Kaiser, als Tipps fürs Touristikmanagement. Seit Dezember vergangenen Jahres haben die Realschule und das Maria- Ward-Gymnasium bei Konzerten, Gottesdiensten und einem Tanzworkshop Kontakte zu den Seniorenresidenzen im Brentanopark und in den Schöntalpassagen geknüpft. In der letzten Schulwoche vor den Sommerferien ist ein Begegnungstag mit Senioren in der Schule geplant. Bei allem Eifer und Ernst, mit denen die Schülerinnen bei der Sache waren, haben sie den Humor nicht vergessen. So persifliert ihr Theaterstück ein »schulintegriertes Lehrseniorenmodell «: Die Lehrer arbeiten im Ruhestand weiter, übernachten in den leer stehenden Klassenzimmern und vergessen das Feiern nicht.
Sprachkurs in Unterfränkisch Der Film »Das Klosterhotel am Brentanoplatz « entwirft eine spaßig umgesetzte Zukunftsvision vom Senioren- Aktivurlaub in der heute schon für ihre Geruhsamkeit, Natur und Weinorte geschätzten Region. Die Ideen von einem Sprachkurs in Unterfränkisch oder dem Einstudieren alter Spessartlieder erscheinen ausbaufähig. Auf viel Gegenliebe dürfte die Anregung von geführten Wanderungen im Beitrag »So soll es sein« stoßen. Denn die bei den Interviews mit Schülerinnen geäußerten Klagen im Kurzfilm »So ist es« sind auch von jüngeren Wanderfreunden nachvollziehbar: Die Interviewten monierten fehlende oder missverständliche Wegemarkierungen sowie Unklarheiten über das Ziel und die tatsächliche Dauer der Wanderungen.
Begleitet durch den Wald Die von den Schülerinnen vorgeschlagenen Begleiter durch den Spessart, die man mieten kann, müssen jetzt nur noch rekrutiert und ausgebildet werden, etwa vom Verein Naturpark Spessart. Vielleicht melden sich dafür auch Schülerinnen. Die VII C findet es nämlich »ziemlich schade, dass alles vorbei ist«, wie Nina Fleckenstein sagt. Miriam Christ meint, man habe nachfolgenden Klassen den Weg bereitet. Diese könnten die Arbeit über den Spessart als Senioren-Freizeitregion weiterführen.
Melanie Pollinger Main-Echo vom 23.03.2010