Ein "Fan von Freiheit" an der Kanzel und im Klassenraum
Priesterweihe: Bernward Hofmann feiert 25. Jubiläum
Aschaffenburg Bernward Hofmann ist beides: Priester und Lehrer an der Maria-Ward-Schule. Was er lieber ist? "Das kann man nicht trennen", erklärt Hofmann. "Ich bin kein normaler Lehrer und ich bin kein normaler Pfarrer. Den Pfarrer schleppe ich überall mit".
Doch ein Schleppen ist es kaum, was Bernward Hofmann seit 25 Jahren tut, eher ein beschwingtes Mit-sich-Tragen: Am Freitag feiert die Maria-Ward-Schule das Priesterjubiläum des 53-Jährigen, der seit 20 Jahren bei den Englischen Fräulein Religion unterrichtet. Doch Maria-Ward-Schülerinnen - 6000 von ihnen hat der gebürtige Würzburger unterrichtet, "mit Dopplungen", wie er betont - wissen ohnehin, dass Hofmann (Foto: Rogowsky) kein "normaler Lehrer" ist.
Mit schier unerschöpflichem Engagement kümmert er sich um die Schulseelsorge; er gestaltet den wöchentlichen Schülergottesdienst und viele der großen Schulgottesdienste, er beginnt jede seiner Unterrichtsstunden mit einem Lied an der Gitarre, hat die Musiksammlung "Troubadour für Gott" zusammengestellt und in zwölf Auflagen geführt. Und wenn es der Sache dient, zaubert Hofmann sogar Gummibärchen ins Klassenzimmer - als junger Mann war er drei Jahre lang Mitglied des Magischen Zirkels.
Lust auf einen Job als Priester hat der junge Bernward Hofmann in seiner Heimatgemeinde "Unsere Liebe Frau" in Würzburg bekommen: Theologie habe ihn weniger interessiert, "aber die Jugendarbeit mochte ich sehr". Als er 1983 Priester und bald darauf Religionslehrer wurde, ging Hofmann seinen eigenen Weg: "Ich will keine Religionsstunde so gestalten, wie ich sie selbst erlebt habe", erzählt er. Aufzwingen würde er den Glauben niemandem. Als großer "Fan von Freiheit", wie er selbst sagt, will er ihn erlebbar machen. "Ich bringe den Schülerinnen nicht bei, was Religion ist", sagt Hofmann. Für ihn ist Unterrichten eine "Hebammenkunst": Schätze zu heben, die schon da sind.
Nach dem Studium in Würzburg, den ersten Seelsorgerstellen in Röthlein und in Schweinfurt und bevor er 1988 an die MWS kam, hat Hofmann am Würzburger Kilianeum an einer Jungenschule unterrichtet. "Meine Jungs waren braver" - das ist das erste, was Hofmann zum Wechsel von der reinen Jungen- an die Mädchenschule in den Sinn kommt.
Deshalb schätzt er seine Schülerinnen nicht weniger: "Ich habe über die Jahre mehr von ihnen gelernt als sie von mir", behauptet Hofmann. Der Würzburger ist niemand, der sich mit dem, was er weiß zufrieden gibt. Diese Geisteshaltung spiegelte sich schon in dem Spruch, den er für seine Priesterweihe vor 25 Jahren ausgesucht hat: "Herr, erneuere Deine Kirche und fange bei mir an." Eine Lebensaufgabe sei dieser Vorsatz und einer, der nicht immer gelinge, räumt Bernward Hofmann ein. Und doch gelingt er immer wieder: 25 Jahre lang ist Hofmann stets ein Motor für das Neue und für die Neugierde auf den Glauben gewesen. mm
Main-Echo vom 09.05.2008