Angela Dorn (Bündnis 90/Die Grünen): „Muss das Große an kleinen Themen zeigen“
Die Grünen gehen mit Angela Dorn als Direktkandidatin in die Landtagswahl 2009. Die Diplom-Psychologin Dorn arbeitet in der Psychiatrie in Haina. Im Landtag will sie unter anderem für eine bessere Sozialpolitik eintreten.
von Michael Agricola
Marburg. „Man muss das Große an kleinen Themen zeigen, man muss zeigen, dass die eigenen Themen auch immer mit anderen verflochten sind.“ Angela Dorn beherzigt dieses Motto, wo sie kann – und sei es beim sperrigen Wort Gender-Gerechtigkeit, das die Chancengleichheit zwischen Mann und Frau zum Thema hat.
„Es erschreckt mich schon, dass unter den zwölf Direktkandidaten in den heimischen Wahlkreisen nur zwei Frauen sind“ – sie selbst und ihre Parteikollegin Sandra Laaz. Dabei sei es in der Politik wie in der Wirtschaft wichtig, dass man auf dieses Potenzial auch zugreife. „Es gibt so viele gut ausgebildete junge Frauen“, sagt die 26-Jährige, wenn die Gesellschaft zukunftsfähig sein wolle, dürfe sie dieses „Kapital“ nicht brachliegen lassen, müsse ihnen aber auch das Gleiche zahlen wie männlichen Kollegen.
Sie weiß aber auch, dass man für die Beseitigung von sozialer Ungerechtigkeit einen langen Atem braucht. Das kennt sie aus dem Beruf. Denn in der Arbeit mit psychisch kranken Straftätern gebe es selten große Erfolge. „Meist sind es kleine Schritte, die die Patienten nach vorne machen.“ Und oft bleibe nicht genug Zeit, den Weg lange genug mitzugehen.
Auch deshalb liegt ein Schwerpunkt ihrer politischen Arbeit in der Sozialpolitik. Durch ihre Arbeit erlebt sie täglich, was im Leben ihrer Patienten zuvor versäumt wurde, wie ein junger Mensch systematisch zum Patienten gemacht werden kann. Und Kürzungen führten immer stärker zu einer „Drehtür-Psychiatrie“, bei der die Menschen nur noch „anbehandelt“ werden könnten. Mit der Konsequenz, dass sie immer wieder kommen, mit steigenden Problemen. „Ich will dazu beitragen, diese Spirale vorher aufzubrechen“, sagt Dorn.
Dass sie in ihrer politischen Karriere schon so weit ist, schreibt sie zu einem großen Teil der Unterstützung der Parteikollegen zu, die der gebürtigen Aschaffenburgerin schon während ihrer Studienzeit großes Vertrauen schenkten und sie kontinuierlich in der Marburger Politik aufbauten. Die Marburger Grünen hätten „nicht nur gesagt, junge Leute müssen ran, sie haben es auch beherzigt“, freut sich Dorn über die Akzeptanz in ihrer Partei. So ist es bei Weitem nicht selbstverständlich, dass eine 26-Jährige im Ältestenrat des Marburger Stadtparlaments sitzen und sich dort beweisen darf. Schon logischer ist da, dass die Partei die Psychologin nun im Wahlkreis 13, der vor allem auch Marburg umfasst, für die Landtagswahl aufstellt. Denn auch landespolitisch hat sie sich als Vorsitzende der Grünen Jugend Hessen profiliert. Für sich und andere Menschen engagiert sie sich trotz ihres jungen Alters schon seit vielen Jahren, zunächst als Schülersprecherin, später beim Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), im Umfeld des globalisierungskritischen Attac-Netzwerks und bei Aktionen wie beim Protest gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm.
Parteiarbeit macht die Diplom-Psychologin seit vier Jahren. Und dort will sie – auch durch ihr eigenes Beispiel – dazu beitragen, dass junge Menschen sich wieder mehr mit Politik beschäftigen. „Ich sehe sehr viel Engagement bei jungen Menschen, aber die parlamentarische Arbeit ist für sie meist doch weit weg.“
Der Wahlkampf wird auch für sie persönlich eine harte Zeit, dessen ist sich Angela Dorn bewusst. Sie wird weiterhin in Haina arbeiten und muss zugleich in ihrem Wahlkreis bekannter werden, vor allem außerhalb der Marburger Stadtgrenzen. „An meinen Patienten kann ich nicht sparen, deshalb muss ich an meinem Privatleben sparen“, sagt sie.
Entspannen kann sich Angela Dorn beim Sport oder beim Tanzen. Sie kocht aber auch gern gemeinsam mit Freunden und reist, wann immer es geht, nach Südamerika. Ein Reiseziel, das nicht nur Postkartenidylle bietet; man könne sich auch wieder „erden“, wenn man sich mit dem Menschen beschäftige. „Da erkennt man, wie gut es einem eigentlich geht.“
Was nach der Wahl sein wird, lässt sie offen. Dabei stehen die Chancen gar nicht mal schlecht, dass sie über die Landesliste der Grünen gleich in den Landtag kommt. Dort hat sie es auf Platz 13 geschafft und das könnte je nach Wahlausgang für den Einzug in den Landtag reichen. Gelingt ihr dies, wäre sie die erste Grüne aus dem Kreis seit Alexander Müller (1995 - 2001).
Veröffentlicht am 11.12.2007 16:29 Uhr
Quelle :http://www.op-marburg.de/newsroom/landtagswahl/wahlkreis13/art790,180002