Sonntag, Mai 26, 2013

Laura Schmidt

minimieren

Von der Wirtin in »Brianne« zum Küken auf der Burg

Laura Schmidt spielt in drei Stücken auf der Clingenburg

Großostheim/Klingenberg. Der 19. Februar 2007 war ein großer Tag für Laura Schmidt: Seit diesem Rosenmontag darf sich die Großostheimerin »Staatlich anerkannte Bühnendarstellerin mit Bühnenreife« nennen. Im Mimen-Metier ist die 24-Jährige damit ein Küken - und auch im Ensemble der Clingenburg-Festspiele eine der Jüngsten.

Sie ist auch diejenige, die in dieser Saison öfter als alle anderen Darsteller auf der Terrassenbühne der mittelalterlichen Burg spielt. In der Buddy-Holly-Show tritt Laura schon zum zweiten Mal im Background auf; im Hauptstück und im Kinderstück haben ihr die Regisseure Georg Mittendrein und Claudia Nowotny diesmal volle Rollen gegeben: Laura Schmidt ist die Stiefschwester im Kinderstück »Cinderella« und die Frieda Schöller im Hauptstück »Pension Schöller«.

Schon in der fünften Klasse fragte Cornelia Hamidi, Musiklehrerin und Fachfrau für Musicals an der Aschaffenburger Maria-Ward-Schule nach: Ob Laura nicht beim »Zwerg Nase« mitmachen wolle? Aber Laura traute sich nicht.

Erst im Jahr 2000 stand sie als Wirtin Fiona beim Großprojekt »Brianne« auf der Bühne des Stadttheaters, im nächsten Jahr als Hexe in der Oper »Dido und Äneas«, ebenfalls eine Produktion der Schule - und von da an wuchs der Wunsch nach einem festen Platz auf den Brettern.

Aber die Eltern: Die wollten etwas anderes für ihre Tochter. Ihnen zuliebe hat Laura das Praktikum in einem Frankfurter Hotel angefangen. Sie blieb einen einzigen Tag - und hat statt dessen 2004 die Ausbildung an der Frankfurter »Stage & Musical School« gewagt. Auch an Esther Burroughs Tanzschule in Aschaffenburg Du machst dir ständig Gedanken: Was bewegt mich? Denn das ist das Wichtigste, wenn man an eine Rolle herangeht.

Laura Schmidt über ihren Job.

blieb Laura länger: »Es gab Zeiten, da habe ich zehn Stunden die Woche dort getanzt«, erzählt die junge Frau mit den flammendroten Locken. Hart sei das gewesen, aber auch gut: »Esther hat dir schon in den Hintern getreten, wenn sie wusste, dass du es ernst meinst.« Kopfweh zählte als Ausrede nie: »Denn das kannst du auch nicht machen, wenn du ein Engagement hast«.

Und um Engagements dreht sich fast alles im Schauspielerleben, das hat Laura schon gemerkt. »Mein Dilemma ist, dass ich hier an der Gegend sehr hänge«, sagt sie. Im Rhein-Main-Gebiet würde sie schon gerne bleiben. Doch wenn eine Rolle ruft, muss der Mime ziehen: Illusionen macht Laura sich da nicht.

Aber auch keine Sorgen. »Ich lasse die Dinge gerne auf mich zukommen«, räumt sie ein und strahlt dabei. Klar, Bewerbungen schreibe sie - aber wofür planen, was sich nicht planen lässt? Was ihr Wenn du das fertige Werk hast, gibt sie dir alles wieder, was du reingesteckt hast.

Laura Schmidt über die Schauspielerei.

Wichtig ist, weiß sie: Familie, Freunde, ihr Freund - und ihr Beruf. Irgendwann einmal genug Geld zu verdienen, mit dem, was sie gerne tut, mit dem Spielen. Denn obwohl Schauspielerei »sehr spannend, oft sehr anstrengend« sei: »Wenn du das fertige Werk hast, gibt sie dir alles wieder, was du reingesteckt hast.«

Auf die Frage, was sie an diesem Job fasziniert, will Laura die Antwort nur versuchen: »Du arbeitest mit Menschen zusammen und du arbeitest permanent mit dir selbst«, setzt sie an. »Du machst dir ständig Gedanken: Was bewegt mich? Denn das ist das Wichtigste, wenn man an eine Rolle herangeht.« Sie überlegt. »Dass man sich fragt, wie würde ich jetzt reagieren?«

Auf das Engagement in Klingenberg hat Laura sehr entschlossen reagiert. Als das Ensemble zum ersten Mai in den kleinen Weinort eingefallen ist, zog sie mit, denn jeden Tag von Großostheim aus die B496 aufzurollen, das wollte sie nicht. Also hat sie für die Dauer der Festspiele ihren Lebensmittelpunkt nach Klingenberg verlegt und ist mit Cinderella (Ulrike Haase) und der zweiten bösen Stiefschwester (Eva Reinold) in eine Wohngemeinschaft gezogen. Probleme, Bühnenwelt und echtes Leben auseinander zu halten, haben die drei Schauspielerinnen nicht. »Wir verstehen uns super«, versichert Laura. »Und Cinderella muss auch nicht den ganzen Haushalt alleine schmeißen.«

Text und Foto. Moni Münch
Main-Echo vom 12.06.2007

  
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