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Rezension

„Tschick“ von Wolfgang Herrndorf

 

„Tschick“ ist ein Roadmovieroman, in dem es um zwei etwas ausgegrenzte Jungen, Maik und Tschick, geht, die zusammen eine Reise in die Walachei wagen wollen. Beide haben keine besonders schöne Vergangenheit und eine nicht wirklich prickelnde Familiensituation. So läuft beispielsweise in der Ehe der Eltern von Maik nicht alles ganz rund: Sein Vater beschäftigt sich nur noch mit seiner Arbeitskollegin und seine Mutter muss öfter in eine Klinik für Alkoholentzug. Alles das lastet auf Maik, bis zu dem Tag, an dem er Tschick, den Neuen in seiner Klasse, kennenlernt, denn ab diesem Moment verändert sich einiges in seinem Leben ...

 

Allein schon wegen des Humors ist das Buch „Tschick“ sehr empfehlenswert. Öfter als einmal musste ich lachen oder zu mindestens schmunzeln. Immer wieder gibt es witzige Stellen, die die ganze Story etwas auflockern. Beispielsweise als das „Nilpferd“, eine gut gebaute Frau, mit Feuerlöscher bewaffnet aus heiteren Himmel aus dem Gebüsch gerannt kommt. Aber auch andere Metaphern und Bezeichnungen, wie der „behinderte Zeichentrickbär“, zaubern dem Leser ein Lächeln auf die Lippen.

 

Aber, wie auch im echten Leben, ist in „Tschick“ nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen. Oft wird auch zum Nachdenken oder sogar zu Mitgefühl angeregt, was einen schönen Kontrast zum Humor bietet. Beispielsweise ist die Vergangenheit des Protagonisten Maik Klingenberg alles andere als zum Lachen, wodurch die Ernsthaftigkeit des Romans nicht verloren geht, was ich sehr schön finde.

 

Die Geschichte ist abwechslungsreich und sehr lebhaft erzählt, was zum Weiterlesen anregt. So gibt es zum Beispiel sehr viele salopp ausgedrückte Stellen, andererseits beschreibt Wolfgang Herrndorf vor allem Landschaften auch oft sehr poetisch, um zu zeigen, was die zwei Jungs, Maik und Tschick, auf ihrer Reise in alles Unbekannte und Schöne erleben.

 

Abwechslungsreich ist „Tschick“ aber nicht nur in der Wortwahl, sondern auch darin, was die Nebenfiguren angeht. Man lernt sehr oft neue, außergewöhnliche Charaktere kennen, bei denen einer verrückter ist als der andere. Dabei zieht sich jedoch ein Grundgerüst durch das ganze Buch: Alle Figuren sind etwas Besonderes auf ihre eigene Weise und oft haben sie mit ganz unterschiedlichen Problemen zu kämpfen.

Das beste Beispiel dafür ist Isa, die von den zwei Freunden auf einer Müllkippe eingesammelt wird und eine, wohl nicht genau bekannte, aber anscheinend wohl nicht ganz so rosige Vergangenheit mit sich bringt - außerdem noch das Geheimnis um den Inhalt ihrer Truhe, was mich zu einem weiteren sehr gelungenen Aspekt dieses Buches führt: Die Geheimnisse und das offene Ende.

 

Angefangen bei Isa bis hin zu möglichen Liebesbeziehungen von Maik bleiben am Ende noch einige Angelegenheiten ungeklärt, was ich einerseits schade, andererseits aber gerade bei diesem Buch sehr gelungen finde, da diese eigentlich nur unwichtige Nebenhandlungen sind, die nicht im Fokus stehen, und man durch das Nachdenken über verschiedene Möglichkeiten der Weiterführung das Buch länger im Gedächnis behält. Raffiniert vom Autor!

 

Wegen des Kontrastes von Humor und Ernsthaftigkeit, dem Abwechslungsreichtum und des offenen Endes steht „Tschick“ mittlerweile schon auf meiner Lieblingsbücherliste.

Wolfgang Herrndorf: Tschick. Rowohlt Taschenbuch Verlag, 272S., 9,99 €

Text: Gina R.; Web-Darstellung: MWS-Homepage, LG