Fairtrade - Bilder

 

 

 

 

 

 

 

 

Photos: W-Seminar Journalismus + Herr Popp + Frau Scholz

Web-Darstellung: MWS Schülergruppe Homepage AG; AL

Fairtrade

Ausgezeichnet: Fairtrade!

 

Maria-Ward-Schule als "Fairtrade-School" ausgezeichnet - Wie aus der ganz und gar nicht verrückten Idee des AKs „Fairrückt“ ein Projekt für die gesamte Schule wurde

 

Seit Tagen steht in der Eingangshalle der Aschaffenburger Maria-Ward-Schule ein Banner mit dem blau-grünen Logo der Fairtrade-Initiative, wie man es sonst nur auf Lebensmittelverpackungen findet. Hier gibt es aber keine Süßigkeiten zu kaufen, sondern den nicht zu übersehenden Hinweis: „Wir sind Fairtrade-School“! 

Seit Freitag, dem 28. Oktober 2016, trägt die Schule diesen offiziellen Titel. Die Auszeichnung wurde natürlich im Pausenhof der Schule gefeiert. Dazu waren neben den Schülerinnen der Maria-Ward-Schule auch wichtige Persönlichkeiten aus den Bereichen Politik und Religion eingeladen. So kamen unter anderem Bürgermeisterin Jessica Euler mit Ihrem Kollegen Bürgermeister Jürgen Herzing, Andrea Lindholz, die ehemalige Schülerin Judith Gerlach, sowie Dekan Rudi Rupp, Dekan Wolfgang Kempf und Pfarrer Martin Heim zu der Verleihung. 

Das traditionelle Lied „Banuwa“, gesungen vom Schulchor, bildete den Auftakt der Feier. Zusätzlich tanzte die Gruppe der Sportlehrerin Frau Horvacki einen afro-brasilianischen Tanz, der von der Stomp Gruppe rhythmisch begleitet wurde. Darauf folgten mehrere Reden und Grußworte der beiden Schulleiter und Gäste, wobei schnell ein bekanntes afrikanisches Sprichwort zur Sprache kam: „Wenn viele kleine Leute an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, können sie das Gesicht der Welt verändern“.

Genau dieses Sprichwort hat sich auch der „AK Fairrückt“ an diesem Tag zum Leitspruch genommen. 

Als Überraschung gab es für alle Anwesenden eine kleine Tafel Schokolade. Diese wog zwar lediglich 3g, doch wenn man alle Stücke zusammenrechnete ergaben sie zusammen schnell 30 große Tafeln fair gehandelte Schokolade. Doch damit nicht genug. In 50 kleinen „Schokis“ waren goldene Zettel mit einer Nummer darauf versteckt, die man am Kiosk des „AK Fairrückt“ gegen einen Gutschein einlösen konnte. Mit dieser Aktion sollten die Schülerinnen und Gäste motiviert werden sich mit den fairen Läden in Aschaffenburg und dem Eine-Welt-Kiosk der MWS auseinanderzusetzen und ihnen den einen oder anderen Besuch abzustatten.

Genauso wenig wie ein kleines Stück Schokolade einen Menschen satt machen kann, kann auch ein vergleichsweiser kleiner Kiosk in der MWS die Weltsituation nicht verändern. Dennoch sind die "fairrücktenMitglieder überzeugt, dass ihre Arbeit ein erster wichtiger Schritt in die richtige Richtung ist. So dient ihre Arbeit nicht nur als Vorbild für andere Schulen, sondern bringt auch viele Menschen dazu ihre Einstellung gegenüber fairem Handel nachhaltig zu überdenken.

Im weiteren Verlauf der Feier stellte der Arbeitskreis sich und seine Ansichten genauer vor, indem er für jeden Buchstaben in dem Namen „AK Fairrückt“ erklärt hat, was er bedeutet. So stand beispielsweise ein „R“ für „Respekt“ und „Rechte“ oder das „C“ für den „christlichen Aspekt“ des sozialen AKs.

Danach wurde, unter tosendem Applaus, endlich die langersehnte Urkunde von Frau Berit Schurse überreicht.

 

Die Vorgeschichte der Fairtrade-School-Kampagne

Es ist kein Geheimnis, dass Arbeiter in den „Dritte-Welt“-Ländern von großen Konzernen ausgebeutet werden. Sie erhalten nicht den Lohn, den sie eigentlich aufgrund von Arbeitsaufwand, Produkten und Export verdienen müssten, weshalb im August 2012 in NRW eine Kampagne namens „Fairtrade School“ gegründet wurde. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht diese Bauern durch faire Bezahlung zu unterstützen, um ihnen den Fortbestand ihrer Existenz zu sichern. Schulen werden aufgefordert fair Gehandeltes und  nachhaltig Produziertes zum Kauf anzubieten und damit etwas Gutes zu tun. 

Diese Kampagne war so erfolgreich, dass sie seit dem 19.06.2014 bundesweit vertreten ist. Immer mehr Schulen in Deutschland werden für ihr Engagement zum fairen Handel ausgezeichnet.

 

Wie wird man Fairtrade-School? Und was geschah an der MWS?

Mindestens fünf Kriterien gilt es zu erfüllen. Zunächst einmal muss ein Team aus Lehrkräften und Schülern gebildet, dann ein Fairtradekompass erstellt werden, der auf der Webseite der Kampagne veröffentlicht wird. Dieser ist ein genauer Plan zur Aufnahme des Fairen Handels in den Unterricht sowie von Aktivitäten und weiteren Ideen, um den Titel in zwei Jahren wieder zu erneuern. Außerdem muss die Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern sichergestellt werden, wie z.B. mit einem Weltladen.

An der MWS bildete sich bereits 2006 unter Leitung von Lehrer Gerd Neukamm der

„AK Fairrückt", der seitdem während der Pause fair gehandelte Produkte aus dem Eine-Welt-Laden Aschaffenburg verkauft, seit 2012 sogar an einem eigens angefertigten Kiosk, womit das dritte Kriterium erfüllt ist.

Von der 6. bis zur 12. Jahrgangsstufe wurde das Thema des fairen Handels in verschiedenen Fächern besprochen, sei es im Religionsunterricht oder in Wirtschaft und Recht.

Ein extra zur Vorweihnachtszeit organisierter Verkauf von fair gehandelten Nikoläusen - und vor Ostern 2017 fair gehandelte Osterhasen - runden die fünf Kriterien ab. Zusätzlich gibt es seit 2016 fair gehandelte Fußbälle für den Sportunterricht an der MWS.

 

Fairtrade und die Ziele an der MWS

Gefragt nach den Zielen für die Maria-Ward-Schule, antwortete der Initiator Gerd Neukamm: „Für mich ist christlicher Glaube untrennbar mit dem Einsatz für arme und unterdrückte Menschen verbunden. Deshalb habe ich das Ziel, den AK Fairrückt und den fairen Handel an der MWS auf eine breitere Basis zu stellen." Das heißt: Noch mehr Schülerinnen für ein Engagement gewinnen, die Öffnungszeiten des Eine-Welt-Kiosks an der Schule ausweiten und ein faires Schul-T-Shirt als künftiges Verkaufsprojekt planen.

 

Damit wird die grundlegende Idee der Fairtrade-Initiative weiterverfolgt: Bereits in den 1950er Jahren entstand die Fairhandelsbewegung, 1988 wurde das erste Garantie-Siegel für Kaffee entwickelt, das garantieren soll, dass dieser direkt von demokratisch verfassten Kleinbauerngenossenschaften stammt - und das auch noch zu einem Preis, der ihre Kosten deckt.

1997 gründeten einige dieser Organisationen eine weltweit zuständige Dachorganisation. Ihre Rolle bestand darin, die Fairtrade-Standards zu setzen, auf dem Weltmarkt benachteiligte Produzentinnen und Produzenten zu unterstützen und die Gesamtstrategie für Fairtrade zu entwickeln. Ab 2002 wurde das einheitliche Fairtrade-Siegel eingeführt, dessen aktuelle Version heute auf tausenden unterschiedlicher Produkte zu finden ist, u.a. auf Lebensmitteln wie Heißgetränken, frischem Obst und Gemüse, Süßwaren, Honig, Reis, Wein, Nüssen und außerdem noch auf Blumen, Fußbällen und Baumwollprodukten. Es gibt also auch für den AK Fairrückt noch viel zu tun!

 

Bedeutung der Auszeichnung für die Schule                                     

Der Titel „Fairtrade School" belohnt das Engagement der Schulgemeinschaft im Bereich des fairen Handels. Die Schule dient damit auch als Vorbild für andere Schulen der Region und weckt Interesse bei Außenstehenden sich mit Fairtrade zu beschäftigen. Durch die lokale und internationale Aufmerksamkeit auf das Projekt „Fairtrade School“ setzen die beteiligten Schulen ein Zeichen, die Arbeits- und Lebensverhältnisse in Entwicklungsländern zu verbessern und den fairen Handel voranzutreiben. 

Die Fairtrade-Familie wächst - im Großen wie im Kleinen: Auch die MWS ist nun ein Teil davon.

 

Interviewauswertung

Während der Auszeichnungsfeier stellten wir den Anwesenden drei Fragen: Erstens, was sie von einer „Fairtrade-School“ erwarten, zweitens, ob und, wenn ja, wo sie schon einmal etwas fair Gehandeltes gekauft haben und letztlich, was sie vermuten, wo in Deutschland die meisten „Fairtrade-Schools“ sind.

Bei der ersten Frage waren sich viele einig, das Ziel einer „Fairtrade-School“ sei für sie, das  Bewusstsein zu stärken und so viele fair gehandelte Produkte wie möglich anzubieten.

Besonders die Antworten auf die zweite Frage variieren je nach Alter:

Während junge Schülerinnen oft ausschließlich in der Schule bewusst fair einkaufen, erwerben Lehrer auch manchmal in Läden und Supermärkten Fairtrade-Produkte. 

Die Vermutung, dass Bayern das Bundesland mit den meisten „Fairtrade-Schools“ ist, lag für viele Befragte nahe. Tatsächlich liegt jedoch Nordrhein-Westfalen mit 59 Schulen mit Fairtradesiegel vorne.

 

#fairtrade - das hat Zukunft!

 

Für Interessierte lohnt sich ein genauer Blick auf die Webseite http://www.fairtrade-deutschland.de

 

Text  W-Seminars Journalismus,  Bilder :  Herr Popp, Frau Scholz