Promenadologie



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Promenadologie

Eine Möglichkeit der Entschleunigung: Promenadologie

Projektpräsentation der Klassen V B, V C und VIII B der Maria-Ward-Realschule am 07.06.2016

Minister Bausback und Bürgermeister Andreas Fath (Wörth a. Main) unter den Gästen

 

Entschleunigung – hochaktuell in unserer Zeit. Es geht darum, wie ein kritisches Korrektiv in der modernen, oft hektischen Arbeitsgesellschaft gewonnen werden kann. Der Entschleunigung diente und dient das bewusste Gehen, das Lustwandeln, also das Promenieren. „Promenadologie“: Allein dieser Wortklang ruft Assoziationen zu gemächlichem Gehen hervor.

Initiatorin, Planerin und Organisatorin des Promenadologie-Projekts, Anne Lüft, Deutschlehrerin an der Maria-Ward-Realschule, betonte in ihrer Einführung, dass die Verlangsamung, die Fähigkeit zum Verweilen, zum Lange-Weile-Haben notwendig ist, um schöpferisch tätig sein zu können. Muße sei etwas sehr Kostbares, und Promenieren und Muße seien untrennbar miteinander verbunden. „Es ginge alles besser, wenn man mehr ginge“, bemerkte bereits Johann Gottfried Seume in seinem „Spaziergang nach Syrakus“ (1802).

Als Moderatorinnen des Abends fungierten Luisa Henn, Lilly Schlenzig und Franca Freihoff aus der Klasse VIII B. Um unterschiedliche Arten des Gehens zu veranschaulichen, gestalteten Schülerinnen der Klasse V C eine Spielszene: Oma Meir geht mit ihrer Enkelin Emma am Sonntag in der Fasanerie spazieren. Während Oma und Enkelin ihre Umwelt bewusst wahrnehmen, werden sie von Joggern, Nordic-Walkern und Passanten, die nur auf das Smartphone fixiert sind, nahezu umgerannt.

Zum Thema „Spazierengehen“ hatten Schülerinnen der Klasse VIII B Passanten in Aschaffenburg interviewt und die Ergebnisse filmisch festgehalten. Etliche Befragte betonten, wie wichtig das Gehen für sie sei, um den Kopf frei zu bekommen, über Dinge nachdenken zu können, aber auch um die Natur bewusst wahrzunehmen. Wiederholt wurde aber auch festgestellt, dass einem die Zeit zum Spazieren mit Muße fehle.

Um auf das Problem hinzuweisen, dass Menschen heute sehr häufig das Auto benutzen, auch in Situationen, in denen das nicht nötig wäre, hatten die Schülerinnen das Projekt „Autoscheiben“ durchgeführt. Sie hatten mit Folie bespannte Rahmen gebastelt und waren, während sie sich die „Autoscheiben“ vor das Gesicht hielten, durch die Aschaffenburger Innenstadt gegangen. Mit der Videokamera hatten die Mädchen Reaktionen von Passanten eingefangen. „Ich bin verwirrt“, war eine immer wieder kehrende Äußerung. Dass das Autofahren einen dazu zwinge, geradeaus zu schauen, sich auf den Verkehr zu konzentrieren und einem dadurch die Möglichkeit genommen werde, die Umgebung bewusst wahrzunehmen, wurde von den meisten Befragten bestätigt.

Wie gestaltete sich die Situation in anderen Zeiten? Früher flanierten, schlenderten und lustwandelten edle Herrschaften zur Entspannung. Optisch veranschaulicht wurde der Blick zurück durch lebende Bilder. Da spazierte ein edel gewandetes Barockpaar über die Bühne, anschließend ein Paar des späten 19. Jahrhunderts. Eine Klosterschwester mit ihren Zöglingen und ein Geistlicher, vertieft in sein Brevier, durften nicht fehlen. Turbulenter gestaltete sich der Spaziergang eines bayerischen Paares in Dirndl und Lederhose.

Der Vorgang des Promenierens ist untrennbar mit dem Wahrnehmen der Umgebung und der Landschaft verbunden. Deshalb haben die Schülerinnen Landschaftsmalerei und Dichtung nach Spaziergangsmotiven untersucht. Die Projektion der Gemälde, sehr viele Impressionisten, aber auch Spitzweg war wiederholt vertreten, wurde kombiniert mit passenden Zitaten aus der Literatur, unter anderem mit Texten von Heidegger, Rilke, Goethe, Fontane, Thomas Mann und Wilhelm Busch.

Abgerundet wurde die Präsentation durch die Spielszene „Prinz und Prinzessin flanieren am See“, dargestellt durch Schülerinnen der Klasse V B. Als Grund für die Verliebtheit des Prinzen stellte sich der Abdruck der prinzesslichen Stiefelette im feuchten Grund des Seeufers heraus. Während eines einsamen Spaziergangs hatte der Prinz ihn einige Tage vorher entdeckt. Abschließend bemerkte die Prinzessin: „Beim Flanieren und Promenieren gerät man ins Sinnieren“.

Minister Winfried Bausback, Bürgermeister Andreas Fath und Schulkollege Thomas Gommert, der für den technisch reibungslosen Ablauf des Abends gesorgt hatte, antworteten auf die Fragen der Moderatorinnen, dass ihnen die Präsentation interessante, aufschlussreiche und zugleich unterhaltsame Informationen gegeben und Zusammenhänge aufgezeigt habe. Der Begriff „Promenadologie“ werde in Zukunft fest in ihrem Bewusstsein verankert sein.

Anne Lüft, Lydia Schwenold-Werlin

Web-Darstellung: MWS Homepage A-S.S und R.S.