Berlin Gruppenfoto

Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin

Berlin, eine Stadt voller Mysterien

Viele gute Geschichten beginnen mit Reisen, ebenso wie diese. Ein Beispiel dafür ist die Geschichte des kleinen Hobbit, doch anders als bei Bilbo Beutlin, der vom Zauberer Gandalf, dem Grauen abgeholt wurde, erwartete uns nur der Mathelehrer Herr Wissel, der Weiße.
Tief in der Nacht des 20. Septembers, also bereits um 6.45 Uhr, trafen wir uns vor der Maria-Ward-Schule, um in den vom Reiseunternehmen Wissel's Wilde Wanderungen extra für uns gebuchten Reisebus zu steigen und dem Sonnenaufgang entgegen nach Berlin zu fahren. In Begleitung unserer wachsamen Lehrer (Fr.Bauer, Hr. Gommert) erreichten wir die Hauptstadt gegen Nachmittag.

Ohne Rast und Ruhe wurden wir, nach dem wir unser Reisegepäck im Hostel abgeladen hatten, zur Bernauerstraße weitergefahren. Dort in der Mauergedenkstätte wurden wir über die schreckliche Abgrenzung der ehemaligen DDR informiert, mit der diese ihre eigene Bevölkerung einsperrte. Nach diesem Besuch und gestärkt durch das Abendessen im Hostel wurden wir zum Potsdamer Platz geführt und nach letzten Instruktionen des Reiseführers Wissel, die er fachmännisch von einem erhöhten Betonklotz aus erteilte, in die Lokale des Sony Centers und dessen Umgebung losgelassen.
Das war der erste Streich, doch der nächste folgt sogleich. 

Viel zu früh für unseren Geschmack mussten wir aufstehen, um rechtzeitig um 7.45 Uhr unser Frühstück einzunehmen. Es war Montag, das hieß: Stadtrundfahrt und dann Rundgang in „Hohenschönhausen“, welches leider keineswegs so schön ist, wie der Name vermuten lässt. Vielmehr handelt es sich dabei um ein ehemaliges STASI-Untersuchungsgefängnis aus DDR-Zeiten. Das Besondere daran: Teilweise waren unsere Guides ehemalige Gefangene, sodass uns die Gräueltaten, die an diesem Ort verübt wurden, noch viel bewusster wurden und sehr real erschienen. Jedoch gehört die DDR, Gott sei Dank, vergangenen Zeiten an und wir befinden uns unter der demokratischen „Herrschaft der Raute“. Somit waren wir auch verpflichtet, uns den dazu gehörigen „Herrschaftssitz“ anzusehen. Mit anderen Worten, nach diesem bedrückenden Besuch in Hohenschönhausen schauten wir am Kanzleramt vorbei und besichtigten den Bundestag.

Das mag nun nach einem simplen Ausflug für eine 11. Klasse klingen, die schon viel Erfahrung mit derartigen Unternehmungen hat, doch eine Sicherheitsschleuse stellt selbst für die erfahrendsten Reisegruppen ein schwerwiegendes Hindernis dar. Somit mühten sich die entnervten Mitarbeiter ab, die Horde der 46 Mädchen zu teilen und erst einmal ins Gebäude zu bringen, wo diese dann eine Mahlzeit in der Kantine vorgesetzt bekamen.

Anschließend durften wir den Plenarsaal besichtigen und uns über den Tagungsort der Abgeordneten informieren. Eine Vertreterin von ihnen trafen wir dann auch im Anschluss höchstpersönlich. Frau MdB Andrea Lindholz empfing uns zusammen mit einer Delegation aus Niederösterreich und gab uns einen Einblick in ihre vielfältige Arbeit.

Nach dieser spannenden Veranstaltung wurde unsere Höhenangst auf eine schwere Probe gestellt, denn wir durften die berühmte Kuppel des Reichstags erklimmen. Hierbei stellte sich heraus, dass einige von uns durchaus unter Höhenangst leiden.

Glücklicherweise hielten letztlich alle dieser Prüfung stand. Und schon war unser Nachmittag im Bundestag vorüber. Nun wurden wir erneut von unserem weißen Mathelehrer durch die interessante Metropole geführt, bis wir vor einem gigantischen, steinernen Denkmal standen, durch welches ehemals eine Straße führte: Wir waren am Brandenburger Tor.

Dieses anzusehen hatten wir 15 Minuten Zeit - Zeit genug für einige Selfies und Touristenfotos-, ehe wir auch schon weiter zum Holocaustdenkmal liefen.

Dieses ist bestimmt jedem bekannt: Schwarze Quader die in Reihen fein sortiert wie einfache Särge aus dem Boden ragen, immer höher werdend umso tiefer man hineinläuft. Ein ruhiger Ort mit einer bedruckenden Ausstrahlung inmitten Berlins.

Nach dem Abendessen waren wir dann erlöst von der direkten Aufsicht unserer Lehrer: Es begann ein Abend ohne verpflichtendes Programm. Einige nutzten das Wisselsche Angebot und besuchten eine Lichtershow zur deutschen Geschichte am Reichstagsgebäude.

Dies war der zweite Streich, und der dritte beginnt sogleich.

Wie jeder Tag sollte auch dieser mit einem großen Frühstück beginnen, denn dieser Dienstag war etwas Besonderes.

Zuerst besuchten wir den Bundesrat ein gigantisches Gebäude noch aus Kaiserzeiten, welches nach seiner Restaurierung eine interessante Mischung aus Geschichte und Moderne geworden ist. Zuerst hatten wir eine kleine, nette Rundführung -wie sich das so gehört- und dann begann der spannende Teil. Wir spielten eine Bundesratssitzung nach.

Zuerst jedoch mussten wichtige Rollen verteilt werden: drei Minister welche einen Gesetzesvorschlag der Bundesregierung einbringen sollten. Christin Cornel und zwei weitere Schülerinnen schlüpften in diese Rollen. Natürlich gehört zu jedem Bundesrat auch eine Bundesratspräsidentin, in diesem Falle war das Anna Stapf. Die drei Minister übernahmen Fr. Lindholzs Gesetzesvorschlag zur Änderung des Asylrechts und Christin hielt eine mitreißende Rede, in der sie begründete, weshalb Deutschland Asylbewerbern nur noch Sach- anstatt Geldleistungen zukommen lassen sollte.

Nun leitete die Bundesratspräsidentin die sich daran anschließende Diskussion. Viele Bundesländer, auf welche die Schülerinnen verteilt worden waren, meldeten sich zu Wort, wobei jeweils eine Schülerin den Redebeitrag ihres Landes zum Besten gab. Schließlich wurde ein Änderungsantrag zum Gesetzesvorschlag der Regierung beschlossen, der an den Bundestag weitergeleitet wurde.

Nach diesem Planspiel, durch welches auch wir einmal praktische Erfahrungen mit dem komplizierten Ablauf des Gesetzesprozesses sammeln konnten, führte uns Hr. Wissel weiter durch die Innenstadt Berlins. Er zeigte uns den Gendarmenmarkt, die Hedwigskirche, die Neue Wache und das Humboldtforum. Mit einigen Tipps zum Shoppen und zu kulturellen Sehenswürdigkeiten wurden wir in den freien Nachmittag entlassen, den wir alle natürlich in vollen Zügen genossen.


Am Abend gab es dann noch ein besonderes Highlight. Wir statteten dem Kabarett 'Distel' einen lustigen Besuch ab: Es stand das Stück 'Im Zeichen der Raute' auf dem Programm. Wie die Kabarettisten selbst sagten: "Manchmal ist es hier voller, manchmal leerer, und manchmal voller Lehrer". Und das traf auch zu. Der Saal war nur knapp zur Hälfte gefüllt, und unsere drei wackeren Begleitlehrer -und Fr. Wissel- erfüllten das genannte Klischee mit großem Elan.

Das war der zweite Streich, und der dritte folgt sogleich.

Der letzte Tag unserer Reise brach gemütlich mit dem Frühstück an, wonach wir noch etwas Zeit hatten, in aller Eile die letzten Reste in unsere Koffer zu packen und die Zimmer wieder in einen annehmbaren Zustand zu versetzen.

Pünktlich um 9 Uhr fuhr der Bus nach letzter Zimmerinspektion der wachsamen Frau Bauer zum Checkpoint Charlie ab, einem sicher allen bekannten ehemaligen Grenzübergang zwischen Ost- und Westberlin. An dieser Stelle findet man heute noch ein kleines Grenzhäuschen, an welchem zwei als Soldaten kostümierte Schauspieler für die neugierigen Touristen posieren und sich für Fotos bezahlen lassen. Natürlich war dies nicht die einzige Attraktion! Direkt in der Nähe des kleinen Grenzhäuschens befindet sich ein kleiner Souvenir-Laden, in welchem wir begeistert noch letzte Andenken und Mitbringsel für die liebe Familie kauften.

Und wie könnte eine Schulklasse auf einer Studienfahrt nach Berlin wohl die Stadt ohne einen Besuch in einem Museum verlassen?

Gar nicht!, dachten sich wohl auch unsere Lehrer, ....

Deswegen brachten unsere Lehrer uns auch zur Museumsinsel. Dort befinden sich einige altehrwürdige Museen - und ganz in der Nähe, Frau Merkels Privatwohnsitz. Aber zurück zum Thema.

Eines dieser Museen besuchten wir: Die Wahl fiel auf das Neue Museum mit seinem irreführenden Namen, denn es ist schon über 160 Jahre alt, selbst wenn es nach dem Zweiten Weltkrieg bis zum Jahre 2000 nur als Ruine existierte und erst 2009 als schicke Mischung aus dem einstigen Bau und moderner Architektur wiedereröffnet wurde. So bestehen einige Wände zum Teil noch aus den alten Wänden mit ihren Verzierungen und die Eingangshalle ist in der Raumaufteilung ähnlich der alten Version wieder errichtet worden. Natürlich ist die Architektur nicht das Interessanteste in diesem Gebäude. So legten uns die freundlichen Guides zumindest nahe -auch wenn die Dame, welche unsere Gruppe führte, das Gebäude noch als Ruine zu DDR-Zeiten kannte. Noch viel interessanter ist die die umfassende ägyptische Ausstellung, die unsere Führerin fachkundig erläuterte.

Inbegriffen in dieser sind nicht nur historisches Kinderspielzeug, Mumien und Grabkammern, sondern auch die weltberühmte Büste der Nofretete. Amüsant an deren Ausstellung ist, dass sie -und eine bronzene Kopie für Blinde- sich als altägyptische Schätze in einem Raum im römischen Stil befinden. Wenn man diese kleine Unstimmigkeit jedoch beiseiteschiebt, war der wohl „schultypischste Programmpunkt“ während unseres Berlinaufenthaltes ein lehrreicher Erfolg.

Die Rückfahrt währte mit drei kleinen Zwischenstopps von 12 bis 20:15 Uhr. Dazu gibt es herzlich wenig zu berichten, außer der Tatsache, dass während dieser Fahrt zwei Schülerinnen es Bilbo Beutlin gleich taten und sogleich ihren Reisebericht begannen, in der Hoffnung, vielleicht doch noch von einem echten Zauberer und nicht nur vom Mathelehrer abgeholt zu werden...

An dieser Stelle bedanken wir uns bei den Lehrkräften Fr. Bauer, Hr.Gommert und Hr. Wissel, die es uns ermöglichten, die Hauptstadt zu sehen und auch viele nützliche Tipps und Informationen mit auf den Weg gaben. Unser Dank gilt auch Hr. Seipold, unserem Busfahrer, der uns immer zuverlässig und geduldig durch Berlin kutschierte.

Zum Schluss bleibt nur zu sagen, dass Berlin immer eine Reise wert ist und wir unsere Hauptstadt nur jedem empfehlen können.


Text: Sara Wichtermann, Anna Stapf, Q 11

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